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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Torsten Dewi (BGT-Exklusiv)

Details

Torsten Dewi ist in der deutschen Medienlandschaft kein Unbekannter. Bereits in der Pre-Internet-Ära übersetzte er Romane zu TV-Klassikern wie BABYLON 5 und verfasste Standardwerke wie den Science Fiction Guide. Später wechselte er zu Pro 7, entwickelte dort Miniserien wie DER WÜSTENPLANET und schrieb später Drehbücher zu Genrewerken wie SUMURU, LOST CITY RAIDERS oder APOKALYPSE EIS. Quasi nebenher war und ist er auch als Autor aktiv und verfasste gemeinsam mit Wolfgang Hohlbein die erfolgreiche Nibelungen-Trilogie. Für Pro 7 konzipierte Dewi auch die Telenovela LOTTA IN LOVE und betreute für den Sender 13th Street die Autoren (u.a. Frank Schätzing, Roger Willemsen) der TV-Reihe BÖSE NACHT GESCHICHTEN. Er verantwortet auch seinen gut gesuchten Blog (www.wortvogel.de), auf dem er nicht nur Reviews veröffentlicht, sondern auch seine Erfahrungen als Drehbuchautor teilt. Ein Meilenstein in seiner Karriere war sicherlich der aufwändige TV-Zweiteiler DR. HOPE, der 2010 ausgestrahlt wurde. Dewi arbeitet derzeit vorrangig für die Zeitschrift „Liebes Land“, lässt es sich jedoch nicht nehmen, abseits dieser Arbeit eigene Traumprojekte zu verwirklichen. Eines dieser Projekte war das erfolgreiche Sachbuch „Empire of the B’s“, der erste Band einer zweiteiligen Charles-Band-Biographie aus dem Jahr 2014. Gemeinsam mit seinen Ko-Autoren David Jay und Nathan Shumate arbeitete Dewi acht Jahre an dem einzigartigen Projekt über den B-Movie-Produzenten Band, den man vor allem mit den der legendären Puppet-Master-Reihe in Verbindung bringt. Nun ist Band 2 mit dem Titel „It Came from the Video Aisle!“ erschienen. Dewi und seinen Mitstreitern gelang dabei ein großer Coup. Beide Bücher sind exzellent recherchiert und bieten auch und insbesondere durch zahlreiche Interviews Einblicke in das Phänomen Band und seiner Karriere. Gerade, weil die B-Movies dieser Ära nicht sonderlich gut dokumentiert wurden, sind beide Ausgaben selbst für hartgesottene Fans unverzichtbar. Was betont sein soll: Trotz der Liebe zum Thema handelt es sich keineswegs um Fanbücher, die die teils obskuren Werke von Band rundherum zu Klassikern erklären. Es wird nichts schöngeredet, wobei erkennbar Wert darauf gelegt wird, Charles und seine Firmen nicht nur auf die bekannten Franchises zu reduzieren. Den Autoren gelingt zudem das Kunststück, quasi „nebenbei“ einen filmhistorischen Kontext herzustellen, der vor allem die Auswirkungen des Video-Booms aufzeigt. Gleichzeitig schlägt man den Bogen in die Gegenwart und zeigt die Probleme, vor der Low-Budget-Produzenten wie Band heute stehen. Somit richten sich die Bücher war vor allem an den klassischen Genre-Fan, sind aber auch für Leser abseits dieser „Nische“ interessant.  „Empire of the B’s“ und „It Came from the Video Aisle!“ als gelungen zu bezeichnen, ist eine schlichte Untertreibung. Sie sind schlicht als Standardwerk zu bezeichnen, an denen sich kommende Veröffentlichungen messen lassen müssen. Grund genug, sich mit dem umtriebigen Dewi über sein neuestes Werk zu unterhalten. Torsten Dewi auf IMDb


 

Woher rührt die Begeisterung über die Karriere von Charles Band und warum überhaupt ein Buch über ihn und seine Produktionen?

Ich bin ein typischer Teenager der 80er Jahre, habe meine Abende mit billigen Horrorfilmen aus der Videothek verbracht und zu viel Cola & Chips. Weil mich in Sachen Grusel immer das Okkulte und weniger das Brutale fasziniert hat, bin ich natürlich schnell auf Charles Bands Output gestoßen: Trancers, Metalstorm, Ghoulies, Re-Animator. Ich habe seinen Werdegang dann lose verfolgt und als mir auffiel, dass Bands Karriere im Gegensatz zu Corman oder Arkoff nie eine journalistische Aufarbeitung erfahren hatte, schwor ich mir selbst, diese irgendwann zu stemmen. Das war allerdings Anfang der 90er und nur eine der vielen Rosinen, die ich im Kopf hatte. Erst durch die Begegnung mit Gleichgesinnten wie Dave Jay, William Wilson und Nathan Shumate wurde der Plan konkret.

Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen B-Produktionsschmieden heutiger Zeit (Asylum und Co) und Charles Bands Firmen seinerzeit?

Band ist – wie Corman – ein echter Produzent, ein Tausendsassa, der aus Leidenschaft Filme macht. Die Bereitschaft, wirklich alles mal auszuprobieren, gibt seinen Regisseuren und Autoren Spielraum, neben vergessenswerten B-Heulern immer mal wieder kleine Perlen zu drehen, ob das nun „Re-Animator“ ist oder „Terrorvision“, „The Huntress“ oder „Doctor Mordrid“. Asylum hingegen besetzt eine klar definierte Nische nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Die gleichförmige Machart und der penetrant ironische Tonfall, der eine Verachtung dem eigenen Produkt gegenüber ausdrückt, stößt mir auf. Das ist industriell hergestellter, gewollter Pseudo-Trash.

                                  

Wie siehst Du die Zukunft von Band und Filmen dieser Art in der heutigen Zeit? Wird er sich auch weiterhin behaupten können? Troma z.B. ist ja nur noch ein Schatten früherer Tage.

Auch Band ist sicher nicht da, wo er sein möchte. Seine Budgets sind kein Vergleich zu früher, seine Möglichkeiten extrem beschränkt. Aber er hat sein Konzept beibehalten, das er in den frühen 90ern entwickelt hat und das eigentlich das Marvel Cinematic Universe vorwegnimmt: seine Filme spielen meist in einem homogenen Universum, es gibt Heldenfiguren und Crossover, und zu den Filmen gibt es Comics, Merchandise und Soundtracks. Seine Franchises wie Puppet Master, Evil Bong, Gingerdead Man und Killjoy sorgen für einen Wiedererkennungswert, wenn auch auf niedrigem Level. Außerdem hat Band die digitalen Vertriebswege voll integriert, betreibt neben seinem eigenen Streaming-Portal auch Kanäle bei Amazon Prime Video. Nach knapp 300 Filmen in 40 Jahren muss er auch wahrlich nichts mehr beweisen.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den anderen Autoren und wie war die Aufteilung zwischen euch?

Ich habe Dave Jay, einen Musiker aus London, ungefähr vor 15 Jahren über das Netz kennen gelernt. Er war immer schon ein Band-Experte. Als klar wurde, dass wir das (damals noch singuläre) Buch gemeinsam machen wollten, holten wir mit Nathan Shumate einen weiteren etablierten B-Film-Kritiker an Bord. Bei Buch 2, das deutlich analytischer und journalistischer verfasst wurde, kam schließlich William Wilson dazu, der nicht nur unfassbar großartig in der Branche verdrahtet ist, sondern auch Zugriff auf ungeheure Mengen an Bildmaterial hat. Er wurde unsere Schnittstelle in den USA und hat auch viele der Interviewpartner angespitzt.

                                  

Hattet ihr von Beginn an eine Aufteilung in zwei Bänden geplant?

Nein. Als ich vor 25 Jahren die Idee hatte, hätte ein Buch auch völlig gereicht. Aber weil Band bis zum Jahr 2010 noch mal 200 Filme draufgelegt hat, wurden aus einem Buch schließlich zwei. Das war auch leicht zu konzipieren, da Buch 1 die frühen Jahre und das Empire-Zeitalter abdeckt, während Buch 2 mit der Gründung von Full Moon Entertainment einsteigt.

Warum habt Ihr auf eine klassische, chronologische Abhandlung im zweiten Buch verzichtet?

Weil sie nicht durchzuhalten war. Bands „Jugendjahre“ und das Jahrzehnt mit Empire haben über den Daumen gepeilt 50 bis 70 Filme hervorgebracht. Es war relativ einfach, die separat und ausführlich in einem Buch zu besprechen. Seit der Gründung von Full Moon Entertainment hat Band seinen Output derart hochgefahren, dass wir vor dem Problem standen, über 220 Filme unterbringen zu müssen. Die Lösung scheint mir im Nachhinein richtig und sogar besser: wir haben die verschiedenen Label von Full Moon, die verschiedenen Phasen, und die verschiedenen Franchises in eigene Kapitel gepackt. Es macht Sinn, z.B. das Dutzend Puppet Master-Produktionen en bloc zu besprechen, oder Bands Erotik-Fabrik Surrender Cinema. Es ist homogener als die strikte chronologische Aufarbeitung.

                                  

War es schwierig, einen Verlag zu finden und musstet ihr Kompromisse eingehen, die ihr im Nachhinein bereut?

Jein. Es wäre schön gewesen, wenn Hemlock Press das erste Buch mit ein paar Farbseiten versehen und international besser vertrieben hätte. Da haben sie sich selbst in den Fuß geschossen. Im zweiten Buch hätte ich mir größere Bilder gewünscht, aber wir hatten 500 Seiten Text unterzubringen, da muss man Kompromisse eingehen. Wäre es uns nur ums Geld gegangen, hätten wir vielleicht versucht, die Bücher im Eigenverlag zu vermarkten, aber das war in Sachen Vertrieb zu aufwändig. Es ist ein „labor of love“, wir müssen davon nicht leben.

Wie reagierte Charles Band, als ihr ihn mit der Idee eines Buches über ihn/seine Karriere konfrontiertet? Hättet ihr das Buch auch gemacht, wenn er euch nicht unterstützt hätte?

Ja, absolut. Die Bücher waren von vorneherein kritisch angelegt und nicht als Lobhudelei. Wie ernst soll ein Leser eine positive Besprechung von „Doctor Mordrid“ nehmen, wenn ich drei Seiten später auch „Demonicus“ für super dufte erkläre?! Charles Band hat selten sein Potenzial ausgeschöpft, und das sollte auch klar reflektiert werden. Wir haben ihm die Rohfassung des ersten Buches eher mit gebremsten Erwartungen geschickt und waren sehr überrascht und erfreut, dass er es nicht nur als „offiziell“ abgesegnet, sondern dann auch selber promoted hat. Um das ganz klar zu sagen: Es gab von seiner Seite aus KEINE Einflussnahme, kein Komma wurde geändert.

                                 

Wie waren eure Erfahrungen bei der Akquise von Interviewpartnern? Freuten sich alle, dass dieser Teil ihrer Karriere in dieser Form gewürdigt wurde, oder wollten sie mit den vermeintlichen Trashfilmen von einst nichts mehr zu tun haben?

Für das erste Buch war die Akquise schwieriger, weil ca. 2005 kaum Soziale Netzwerke existierten und viele alte Band-Mitstreiter abgetaucht waren. Da wurde viel telefoniert, da wurden Adressen privat und informell ausgetauscht, da musste teilweise dutzendfach nachgehakt werden. Facebook hat Vieles einfacher gemacht – und die Tatsache, dass wir Buch 1 als Referenz hatten, natürlich auch. Die meisten Beteiligten haben sich sehr bereitwillig geäußert, schwierig war da nur das Kapitel über die Softsex-Filme. Die wenigsten Darstellerinnen wollen heute darüber noch reden und die meisten Crewmitglieder haben unter Pseudonym gearbeitet. Ich bin durchaus stolz darauf, dass es mir gelungen ist, mit Pat Siciliano den Kopf hinter dem Label Surrender Cinema nicht nur aufzutreiben, sondern auch zu einem Interview zu nötigen. 

Wie waren die Reaktionen nach Erscheinen des ersten Buches aus Fankreisen, aber auch von den Interviewpartnern selbst?

Großartig. Buch 1 entwickelte sich schnell zu einem Bestseller für Hemlock, die Kritiken waren durch die Bank hervorragend (auch wenn ein Reviewer aus Deutschland mäkelte, wir hätten die Bandfilme nicht mit ausreichend Samthandschuhen angefasst), und vor allem die B-Movie-Szene hat uns extrem positives Feedback gegeben. Das war sehr motivierend für Buch 2.

                                       

Warum wurde für Band 2 der Verlag gewechselt?

Wie gesagt: Buch 1 hätte Farbseiten und einen besseren internationalen Vertrieb verdient gehabt. Es war geradezu bizarr, dass es in Asien oder Amerika – zwei der Hauptabsatzmärkte – nur sehr schwer verfügbar war. Weil der Verlag bei Buch 2 auch wieder nur langsam in die Puschen kam, haben wir uns irgendwann ohne Krach getrennt. Es war erstaunlich einfach, Ersatz zu finden, diesmal bewusst in Amerika. Schiffer hat uns dann das beste Angebot gemacht und war auch in der Zusammenarbeit makellos.

Wie sieht es mit einer deutschen Veröffentlichung aus?

Da gibt es keine konkreten Pläne, weil die Rechte an Buch 1 bei Hemlock, die Rechte an Buch 2 aber bei Schiffer liegen. Ich spiele vielmehr mit dem Gedanken, selber ein „Kompendium“ zu schreiben, das beide Bücher konzentriert und homogen in eine neue Form gießt und dabei alle Erfahrungen der letzten Jahre verarbeitet.

                                    

Plant ihr oder planst du ein weiteres Projekt in dieser Richtung?

Es ist durchaus möglich, dass wir Anfang 2018 mit der Arbeit an einem Interview-Buch beginnen, welches es dann preiswert als Ebook zu kaufen gibt. Wir konnten von mehr als 70 Interviews, die wir gemacht haben, ja immer nur Schnipsel verwenden. Da ist viel tolles Material außen vor geblieben. Außerdem habe ich ein paar Ideen, für die mir aktuell noch die „Komplizen“ fehlen. Man wird sehen. Zuerst einmal gilt: Ich habe mir selbst 1990 versprochen, eines Tages ein Buch über Charles Band zu schreiben. Das Versprechen habe ich gehalten.

Die „BGT-Redaktion“ wünscht Dir viel Erfolg und alles Gute für deine zukünftige Projekte.

 

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