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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   

Interview: Oliver Kienle (BGT-Exklusiv)

Details

Oliver Kienle gehört zu den besten und talentiertesten Autoren und Regisseuren Deutschlands. BGT-Redakteur Kevin Zindler sprach mit ihm über seinen Film DIE VIERHÄNDIGE und über den Zustand des deutschen Films. Oliver Kienle auf IMDb

                                                                      

 

 

 

 


Du schreibst für deine
Regiearbeiten auch die Drehbücher. Wo liegen dabei die Vor- und Nachteile?

Es hat natürlich Vor- und Nachteile. Ein Nachteil ist, dass du als Filmemacher immer vor der großen Herausforderung stehst, deinen eigenen Film objektiv zu sehen. Man ist sehr schnell blind für sein eigenes Projekt. Als Regisseur eine Vision zu haben ist einfacher, wenn du unvoreingenommen ein Drehbuch liest. Ein großer Vorteil liegt in der Macht, die du über dein Projekt hast. Ich hatte zum Beispiel die Möglichkeit, nach Proben manche Dialoge noch umzuschreiben und einzugreifen, wenn ich gemerkt habe, dass etwas nicht richtig funktionierte.

Bist du durch das Schreiben dem Filmemachen nähergekommen oder ist die Liebe zum Film viel früher entflammt?

Ich habe in der Grundschule angefangen Comics zu zeichnen und erst relativ spät realisiert, dass das teilweise schon Storyboards waren. Ich habe nie viel gelesen, dafür war ich zu unruhig, und schaute deshalb viele Filme. Von 16 bis 19 habe ich wahnsinnig viel geschrieben, auch Romane, aber die waren schon sehr filmisch. Mit 19 hab ich kapiert, dass man dank der neuen digitalen Kameras selber hobbymäßig Filme machen kann und ich alles vom Schreiben über Schauspielerei oder Fotografie im Film verbinden konnte. Es lief ein bisschen parallel. Ich wollte schon immer Geschichten erzählen, aber im Film liegt für mich die stärkste Form des Geschichten Erzählens. Ich könnte nie einen Roman schreiben.

Dein Langfilm-Regiedebüt BIS AUFS BLUT heimste eine Menge Preise ein. Du persönlich wurdest ebenfalls mehrfach ausgezeichnet. Öffneten sich dadurch ehemals verschlossene Türen in Bezug auf deine weitere Karriere?

Da öffnen sich viele Türen, sogar zu viele. Da kommen Produzenten, die wollen auf Nummer sicher gehen und mit dir eine romantische Komödie machen. Wenn du schon Preise gewonnen hast, nimmt denen das ein bisschen Angst. Ich habe aber versucht, mir treu zu bleiben und nur Sachen zu machen, die ich mir selber angucken wollen würde, dass es was ist, was es wert ist, erzählt zu werden. Man ist ein bisschen verwirrt; nach den ganzen Preisen habe ich erstmal gedacht, ich kann jetzt alles machen was ich will, habe einen sehr düsteren Thriller geschrieben und ein Jahr versucht, den unterzubringen, aber niemand hat sich getraut, den zu produzieren.

Der Psycho-Thriller DIE VIERHÄNDIGE ist dein aktueller Kinofilm. Auch hier warst du recht frühzeitig als Drehbuchschreiber in das Projekt involviert. Was hat dich so an der Geschichte fasziniert?

Ich glaube, bei einem Genrefilm ist es immer wichtig die Balance zu finden zwischen Genre - also der filmischen Konvention - und dem Thema, das man behandelt. Meistens zündet der Stoff erst, wenn man innerhalb dessen ein persönliches Thema findet. Mich hat bei DIE VIERHÄNDIGE gereizt, etwas über Trauma zu erzählen, die Überwindung und die Auswirkungen von Traumata auf die Seele, dass du das Bedürfnis hast, dich im Trauma zu suhlen, darin aufzugehen. Der Hass, die Rache, aber auch der andere Teil deiner Seele, der in die Zukunft schauen und loslassen will. Ich habe selbst auch mal eine Traumatherapie gemacht - dieses Klischee, dass der Autor in seinem Projekt irgendwo doch immer persönlich drinsteckt, auch wenn er es gar nicht beabsichtig, hat sich bewahrheitet.

Der Film sticht doch sehr aus dem deutschen Kino-Einerlei heraus. Nicht umsonst hast du 4 Jahre am Drehbuch gearbeitet. Was war dir beim Schreiben des Drehbuchs besonders wichtig?

Ich wollte zeigen, dass ein Genrefilm mehr ist als die filmische Konvention. Besonders auf den deutschen Film bezogen war es mir wichtig, gegen das grundsätzliche Gefühl, welches man in Deutschland hat, anzugehen, man könne es hier nicht schaffen, so etwas zu machen und auch zu verkaufen.

Neben der rundum spannenden und vor allem komplexen Geschichte überzeugt der gute Cast. Insbesondere Frida-Lovisa Hamann und Friederike Becht ringen sich eine großartige Performance ab. Wie schwer war es, die passende Besetzung zu finden?

Es war ein langer Weg. Insgesamt haben wir durch eine Verschiebung und eine geplatzte Finanzierung zwei Jahre gecastet. Natürlich müssen sich die Hauptdarstellerinnen als Schwestern auch ähnlich sehen. Beim Casting haben wir noch Bedenken gehabt, ob das bei Frida und Friederike überhaupt funktioniert, im Film selbst werden sie aber teilweise sogar verwechselt. Für Frida (Sophie) war es die erste richtige Filmrolle. Ich mag es sehr gern, mit Schauspielerinnen zu arbeiten, die noch ganz offen sind. Friederike (Jessica) war sehr dankbar, so eine düstere Rolle zu mimen, denn es gibt wenig Filme, in denen Frauen so etwas spielen dürfen.

BGT-Interview mit Frida-Lovisa Hamann

Der Film versetzt den Zuschauer tief in die Psyche der beiden Schwestern Jessica und Sophie, die durch das traumatische Erlebnis in ihrer Kindheit extrem gelitten haben und immer noch leiden. Das Krankheitsbild ist verheerend. Wie hast du dich mit dem Thema Multiple Persönlichkeit auseinandergesetzt?

Ich habe mich viel damit beschäftigt und mich vor allem darauf fokussiert, eine Balance zwischen der wahrhaftigen und der filmischen Darstellung zu finden. Ich finde es wichtig bei einem Film, dass die Darstellung authentisch ist, aber nicht realistisch. Realismus ist langweilig. Du suchst eine filmische Überhöhung mit einem wahrhaftigen Kern. In der Therapie von MPS geht es entgegen der allgemeinen Annahme nicht darum, eine Persönlichkeit verschwinden zu lassen, sondern zu lernen, sie miteinander kommunizieren zu lassen, sodass sie sich gegenseitig akzeptieren.

Die Schwestern sind ja von ihrer Art her sehr unterschiedlich. Während Jessica die besessene Beschützerin ist, die unter Wahnvorstellungen leidet, ist Sophie die Zurückhaltende, die versucht, ein normales Leben aufzubauen. Hat dich das an den Figuren besonders gereizt?

Sophie und Jessica sind Ying und Yang einer zerrissenen Seele infolge eines Traumas, die am Ende wieder zueinander findet. Es ist zeitgemäßer erzählt zu zeigen, dass beide Seiten eines Traumas akzeptiert werden müssen – sowohl die selbstzerstörerische, als auch die hoffende. Das ist auch der Schlüssel zur Heilung, zu einem lebenswerten Leben. Der Kampf der Seelen, das Duell der beiden Schwestern in einem Körper eskalieren zu lassen, fand ich total reizvoll.

Hattest du die Freiheiten, das Drehbuch nach deinen Wünschen zu verfilmen?

Ich habe darüber nachgedacht, wie es wäre, den Film nochmal zu machen, zum Beispiel für den amerikanischen Markt, extremer und auch mit einem anderen Budget. Aber wir haben uns ja bewusst für einen gewissen Stil entschieden, der viel über die Stimmung funktioniert. Hätten wir die Möglichkeit gehabt in den Film mehr Schauwerte reinzuknallen, hätte er anders funktioniert. Mir wurde viel Vertrauen entgegengebracht, auch gerade weil die Erfahrung mit einem deutschen Genrefilm einiger Mitwirkender irgendwann an ihre Grenze stieß. Das brachte mir viel Freiraum ein. Du musst für das was du tust einstehen, dann bekommst du auch deine Freiheiten.

Welche Szenen waren am schwierigsten umzusetzen?

Da gibt es zum Beispiel die Szene, in der die eine Schwester in das Haus des einen Täters einbricht um Rache zu nehmen – es war November, es war Nacht, es war nebelig, wir hatten minus 10 Grad. Unsere Hauptdarstellerin hatte eine Muskelzerrung im Oberschenkel, musste in dieser Szene aber auf ein Dach klettern, durchs Fenster steigen und über ein Feld vor dem nackten Täter fliehen, welches langsam aber sicher fror. Da lief wirklich alles schief. Es war der schlimmste Drehtag meines Lebens.

Trailer auf YouTube: DIE VIERHÄNDIGE

Wie glücklich bist du darüber, die Gelegenheit bekommen zu haben, einen Genre-Film zu machen? Die Förderungen für derartige Projekte halten sich in Deutschland ja in Grenzen.

Es ist seltsam, dass es in Deutschland noch immer so schwer ist, reines Genrekino zu machen, obwohl der Zuschauer ja dafür ins Kino geht – nicht nur für ein intellektuelles, sondern auch für ein physisches Erlebnis. Man wird in Deutschland für Innovation und gesunden Größenwahn bestraft. Es ist schwer den deutschen Kinozuschauer mit Gewalt zu konfrontieren. Sobald du etwas fühlen musst, macht er dicht. Sie lassen sich nicht an den Eiern packen. Vor emotionaler Manipulation, die ja so geil ist, haben sie Angst. Deshalb sind wir sehr dankbar.

Vor kurzem ging die Finanz-Thriller-Serie BAD BANKS an den Start, deren Creator und Headautor du bist. Was kannst du uns darüber erzählen?

BAD BANKS  ist eine Geschichte über eine junge Investment-Bankerin, die in den Machtkampf zweier Großbanken gerät. Das Setting ist international. Ich hatte zum einen die Chance, sehr individuelle Charaktere zum einen, aber auch etwas sehr Universelles zum anderen zu erzählen. Kapitalismus, der moderne Mensch und seine oft ungesunde Beziehung zum eigenen Beruf und Selbstwert - das Bankerwesen ist ein Umfeld in dem du die Möglichkeit hast deinen Selbstwert sehr effektiv und schnell zu erhöhen. Das sind Themen, die vermutlich jeden interessieren. Der Titel ist durchaus auch ironisch gemeint. Die Serie befasst sich sowohl mit der Notwendigkeit von Banken als auch der Perversion des Systems. Paula Beer und Desiree Nosbusch spielen die Hauptrollen, Christian Schwochow hat die Serie inszeniert.

Trailer auf YouTube: BAD BANKS
BGT-Kritik: BAD BANKS

Gibt es darüber hinaus schon ein spruchreifes neues Regie-Projekt zu verkünden?

Im nächsten Jahr werden voraussichtlich die Dreharbeiten für meine Culture-Clash-Komödie starten, in dem es zu einem Aufeinanderknallen vom armen und reichen Milieu kommt. Einen Titel gibt es noch nicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

   

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