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Originaltitel: Män som hatar kvinnor
Herstellungsland: Deutschland / Dänemark / Schweden
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Thriller
Freigabe: FSK-16
Regie: Niels Arden Oplev
Darsteller: Emil Almén, Peter Andersson, Willie Andréason, Sofia Brattwall, Gösta Bredefeldt u.a.
Review:
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Prüfungsmedium:
mit freundlicher Unterstützung von Warner
Inhalt:
Der Wirtschaftsjournalist Michael Blomkvist steht mit seiner eigenen Zeitschrift vor dem Aus, als ihn ein Magnat wegen einer falsch recherchierten Geschichte vor Gericht zerrt. Da erreicht ihn das Angebot des ehemaligen Großindustriellen Henrik Vanger, dessen Nichte Henriette in den 60er Jahren auf einer Familienfeier verschwand und nie gefunden wurde. Vanger bekommt zum Geburtstag immer noch gepresste Blumen geschickt, wie Henriette es immer getan hatte und will nun vor seinem Tod den ungelösten Mord aufklären. Blomkvist bekommt ein Jahr Zeit, egal, ob er etwas findet oder nicht und darf sich auf der Familieninsel der Vangers einnisten. In der Familiengeschichte stößt er jedoch in ein Wespennest, denn die Familienmitglieder sind nicht nur teilweise verfeindet, sie haben auch eine im Nationalsozialismus verwurzelte Vergangenheit. Durch Zufall gerät Lisbeth Salander, die wohl seltsamste Angestellte einer Detektei an den Fall - Salander steht unter Aufsicht, gilt als psychisch krank und ist eher eine provokative Erscheinung, dabei ist sie nicht nur eine Computerspezialistin, sondern hat auch ein photographisches Gedächtnis. Irgendwann kreuzen sich die Wege der beiden Ermittler, die sich Stück für Stück an ein furchtbares Familiengeheimnis heranarbeiten...
Kritik:
Die Skepsis war groß, nachdem bekannt wurde, dass die Millennium Trilogie von Steg Larsson verfilmt werden sollte. Die Skepsis wuchs, nachdem nur der erste Film im Kino, die Fortsetzungen jedoch ausschließlich im TV Premiere feiern sollten. Nachdem der vorliegende Trilogiebeginn Verblendung
jedoch so hervorragend beim Publikum ankam, entschloss man sich, auch die Fortsetzungen Verdammnis und Verblendung in die Lichtspielhäuser zu bringen. Nach Sichtung der ersten Buchadaption kann man nur sagen: Mit Recht.
Die meisten Romanverfilmungen stehen vor dem großen Dilemma, dass sie aufgrund der Laufzeit Storyfäden und Charakterentwicklungen, für die sich ein Autor wesentlich mehr Zeit nehmen kann und darf. Als Folge davon wirken entsprechende Versuche häufig unrund und gehetzt, z.B. die Dan Brown Adaption Illuminati . Überraschenderweise kann in diesem Punkt Entwarnung gegeben werden, denn Verblendung schert sich recht wenig um Erzählkonventionen des durch US Ware beschädigten Mainstream Kinos und nimmt sich Zeit, um Charaktere und Geschichte ins richtige Licht zu rücken. So gestattet man der Hauptfigur Lisbeth einen fast schon quälend langen Prolog, der so intensiv gespielt, geschrieben und inszeniert ist, dass es fast schon einen eigenen Film rechtfertigen würde. Dieser Storyzweig hat nichts mit der späteren Handlung zu tun, dient aber glänzend dazu, die unnahbare Figur plausibler, ihre Handlungen nachvollziehbarer zu gestalten. In Verbindung mit der herausragenden Leistung von Noomi Rapace, die Lisbeth´s Kühle und Härte genauso glaubwürdig darstellt, wie ihren weichen Kern, entwickelt sich somit von Beginn an nicht nur eine faszinierende Charakterstudie, sondern auch eine dichte Atmosphäre, die den Stil des Films ankündigt und bestimmt. Zudem stimmt auch die Chemie mit Michael Nyqvist, der den Reporter Michael Blomkvist spielt. Dieser Charakter tritt jedoch mit fortlaufender handlung immer weiter in den hintergrund, was etwas schade ist, da aus dem Zusammenspiel der beiden sicherlich noch etwas mehr heraus geholt werden konnte.
Doch auch abseits der schauspielerischen Leistungen kann Verblendung als reiner Thriller überzeugen, obwohl es recht lange dauert, bis die Geschichte in Fahrt kommt. Handwerklich geschickt fängt Niels Arden Oplev rauhe und dennoch bezaubernd schöne Landschaftsaufnahmen ein und integriert diese als unsichtbaren Darsteller in seine Inszenierung, was der Atmosphäre ungemein dienlich ist. Zudem ist der Fall, wenn man denn davon sprechen möchte, clever aufgebaut und konstruiert. Was anfangs noch recht unspektakulär beginnt, entwickelt sich im aufe der Filmhandlung zu einem intelligenten und vor allem glaubwürdigen Thriller, der ohne größere Logiklücken nachvollziehbar Stück für Stück entschlüsselt wird. Das ist spannend, das ist packend und gehört sicherlich mit zum besten, was das Genre in den letzten Jahren ausgespuckt hat.
Perfekt ist jedoch auch Verblendung nicht. Wäre da doch einerseits die etwas falsche Gewichtung der Charaktere, dessen "Duell" Michael Nyqvist - freiwillig oder unfreiwillig - verliert. Je weiter die Handlung voran getrieben wird, desto mehr rückt er in den Hintergrund. das ist schade, weil sowohl Schauspieler als auch Figur mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Auch das Ende wirkt überflüssig und weist arg übertrieben auf den flgenden Film hin, was es weiß Gott nicht gebraucht hätte. Zudem dürfte der Stil des Films nicht jedermann zusagen, denn - wie schon gesagt - Verblendung entzieht sich weitesgehend jeglichen Konventionen und verichtet somit auch auf Auflockerungen, Actionszenen oder plakativem Humor. Der Streifen verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und Konzentration - wer diese mitbringt, wird jedoch reichlich belohnt.
Fazit:
Experiment geglückt. Die Romanadaption ist ein hervorragender Thriller, der durch eine gute Story besticht und von den Darstellerleistungen lebt. Zudem ignoriert man Sehgewohnheiten, lässt sich viel Zeit und fordert Aufmerksamkeit ein. Wer das mitbringt, bekommt einen der besten hriller der letzten Jahre vorgesetzt. Unbedingt sehenswert, aber nichts für schwache Gemüter.
Wertung: 8| 10
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