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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   
Aug23

Gomorrha

Gomorrha

Originaltitel: Gomorra
Herstellungsland: Italien
Erscheinungsjahr: 
2008

Genre: Drama, Thriller
Freigabe: FSK-16
Regie:
 Matteo Garrone

Darsteller: Salvatore Aruzzese, Salvatore Ruocco, Maria Nazionale u.a.


 

Macht, Geld, Blut. Damit werden die Einwohner der Provinzen von Neapel und Caserta tagtäglich konfrontiert. Nur eine privilegierte Minderheit kann überhaupt daran denken, ein „normales“ Leben zu führen. Von den anderen, den nicht Privilegierten, erzählt "Gomorrha": Marco und Ciro sind überzeugt, ihr Leben sei buchstäblich Brian de Palmas „Scarface“ entsprungen. Aber innerhalb des Systems haben sie das Ansehen zweier streunender Hunde, deren wagemutige Handlungen die Geschäftsroutine gehörig durcheinanderbringen. Als sie bei einem Raubüberfall Drogen erbeuten und im Anschluss ein verstecktes Waffenarsenal der Camorra ausheben, bekommen sie es mit den echten Mafiabossen zu tun…

 


 

Kritik: Wie brisant der Inhalt des Films ist, wird unter anderem daran deutlich, dass der Autor des gleichnamigen Romans, Roberto Saviano, seit der Veröffentlichung seines Buches unter ständigem Polizeischutz steht. Aus diesem Grunde konnte Saviano, der auch das Drehbuch beisteuerte, nicht an der Premiere von „Gomorrha“ teilnehmen. Der Schriftsteller recherchierte mehrere Jahre für sein Projekt, um eine möglichst große Authentizität zu gewährleisten - und genau diese realistische Porträtierung italienischer Verhältnisse und Strukturen atmet auch die Verfilmung des Bestsellers.


 
„Gomorrha“ verströmt in keiner Sekunde den etwas romantisch verklärten Charme anderer Mafiafilme a´la Coppoloas „Der Pate“, sondern beschreibt nüchtern, zurückhaltend und distanziert das Schicksal einzelner Figuren. Regisseur Garrone versucht dabei gar nicht erst, ein Handlungsgerüst oder eine Strukturierung in Form einer normalen Inszenierung vorzutäuschen. Stattdessen zeigt er einzelne Episoden, wechselt dabei Schauplätze und Protagonisten, bleibt dabei aber seinem dokumentarischen Stil treu. Und genau dieser Stil wird sicher nicht jedem gefallen: Höhepunkte, eine Spannungskurve oder Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann, gibt es nicht. Dafür wird man als Zuschauer zu deutlich isoliert und zum reinen Beobachter degradiert. 


 
Es wird auch nicht der Versuch unternommen, das Geflecht aus Politik, Industrie und Verbrechen auseinander zu dividieren. Vielmehr wird eher das Leben der Befehlsempfänger am Ende der Nahrungskette skizziert oder aufgedeckt, dass die Mafia ihr Geld eben nicht nur durch das große Verbrechen verdient, sondern dermaßen im Alltag Italiens verzahnt ist, dass es kaum eine Branche gibt, in der man die nicht vorfindet: Bau, Tourismus, Einzelhandel, Banken, Fälschungen … die Liste ist endlos. In „Gomorrha“ geht es nicht um das große internationale Geschäft, sondern um Einzelschicksale und um die realistische Darstellung der italienischen Situation: „In den verfallenen Sozialbausiedlungen der Stadt ist die Mafia nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Rentenversicherung, Sozialamt und Justiz. Ein Staat im Staat, der Illoyalität mit dem Tod bestraft.“ (Sven von Reden, Berliner Morgenpost)


 
Besser kann man es kaum auf den Punkt bringen. Und diese Situation wird von Regisseur Garrone mit bedrückenden und fast schon schmerzhaft realistischen Bildern dargestellt. So hat „Gomorrha“ nicht mehr viel mit einem Spielfilm zu tun, sondern erscheint wie eine Dokumentation. Daran haben nicht zuletzt die exzellenten Schauspieler ihren Anteil, die völlig in ihren Rollen verschwinden. „Gomorrha“ ist nicht im üblichen Sinne spannend oder gar unterhaltsam, doch wer sich auf den Stoff und die gekonnte Umsetzung einlässt, sieht einen packenden, aber auch bedrückenden Film, der mehr über die Situation Italiens aussagt, als man vorher vielleicht glauben mag. Ingesamt ein recht schwerer Brocken, der aufgrund seiner nüchternen Umsetzung nicht jedermanns Geschmack sein wird.

Fazit: Kühl, distanziert und zurückhaltend kommt „Gomorrha“ daher. Ein schwer verdaulicher Episodenfilm mit brisantem Inhalt, der nicht unterhalten, sondern – ohne erhobenen Zeigefinger – erklären will, teilweise aber auch einige Längen aufweist. Schauspielerisch exzellent, inszenatorisch mutig und anders. Ein engagiertes Projekt, mutig und klug umgesetzt. Wer vom Medium Film etwas mehr erwartet als blanke Unterhaltung, wird hier bestens bedient.


Durchschnittliche Userbewertung

7.0/10 Bewertung (4 Stimmen)

 DVD Verleihstart:  26.02.2009
DVD Verkaufstart: 19.03.2009

Label: Eurovideo
Verpackung: Keep Case
 
Ton:
1. Deutsch Dolby Digital
2. Italienisch Dolby Digital 5.1
 
Untertitel:
- Deutsch
 
Bild: 1.85:1 (16:9)
Laufzeit: ca. 136 Min.
Uncut: Ja
 
Extras:
• Gomorrha Stories - Toto, Don Ciro, Franco, Pasquale, Ciro und Marco
• Interview mit den Darstellern Matteo Garone und Roberto Saviano

Review Extras:
Uns wurde eine Presse DVD ohne Extras zur Verfügung gestellt, daher entfällt eine Bewertung. Es wird allerdings neben einer normalen Veröffentlichung als Single Disc auch noch eine weitere Edition erscheinen, in der die DVD zusammen mit dem Buch enthalten ist.


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Tobias Hohmann

Tobias Hohmann

   

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