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Nov28

I Saw the Devil

I Saw the Devil

Originaltitel: Angmareul boatda
Herstellungsland: Südkorea
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Drama, Thriller
Freigabe: FSK-18
Regie: Kim Ji-woon
Darsteller: Lee Byeong-heon, Choi Min-sik, Jeon Gook-hwan, Cheon Ho-jin, Oh San-ha u.a.

Die schwangere Frau eines südkoreanischen Polizeiagenten ist nachgerade geschlachtet worden von einem offenbar seriell operierenden Frauenmörder. Frisch beurlaubt wegen der verwandtschaftlichen Nähe zum Opfer macht sich der Witwer daran, den Täter auf eigene Faust zu ermitteln, ohne ihn jedoch, als er ihn findet, sogleich umzubringen. Vielmehr verwickelt er seinen Gegner in ein perfides Katz- und Mausspiel, um ihm immer wieder schmerzhaft zuzusetzen. Der Unhold aber nimmt die Herausforderung an und dreht den Spieß um.

- Kritik -

Regiseur Jee-Woon Kim ist mittlerweile auch dem westlichen Film-Fan kein Unbekannter mehr, nachdem er mit so unterschiedlichen Werken wie dem melancholischen Horrordrama A Tale of two Sisters,  und The Good, the Bad, the Weird, einer eher heiteren Western-Vergeugung vor Sergio Leone, für Furore sorgte. Sein neuer Film I saw the Devil sorgte selbst in Südkorea aufgrund seiner Härte für Furore, erhielt aber gleichzeitig weltweit exzellente Kritiken. Zudem kehrte Kim damit auch zu dem Genre zurück, das er bereits mitA bitter sweet Life bereicherte. Kann die südkoreanische Regie-Hoffnung mit I saw the Devil an seine bisherigen Filme anschließen, oder verdient der Revenge-Thriller den ganzen Wirbel nicht?



Jee-Woon Kim kann nicht nur an seine bisherigen Arbeiten anschließen, sondern legt sein bislang bestes Werk vor, das den vergleich mit Meilensteinen des Genres nicht scheuen muss und auch gänzlich anders ausgerichtet ist, als A bitter sweet Life. Spätestens mit seinem neuen Film dürfte sich Kim, der derzeit auch als Regisseur für eine Schwarzenegger-Produktion gehandelt wird, unter den wenigen Regisseuren etablieren, die das Kino von morgen ganz entscheidend prägen und formen werden. I saw the Devil ist eine Demonstration inszenatorischer Klasse, stilistischer Raffinesse und handwerklicher Qualität, bei dem es auf dieser Ebene kaum etwas zu kritisieren gibt. Dass es trotzdem nicht zum definitiven  Meilenstein reichte, ist nur sekundär dem noch jungen Filmemacher anzulasten.



Das Tempo ist atemberaubend: Ohne größeren Prolog kommt der Film zur Sache und zieht den Zuschauer direkt in seinen Bann. Die Bilder sind düster, die Welt ein dreckiger, hässlicher Ort, in der die Fronten scheinbar schnell geklärt sind: Auf der einen Seite der brutale Serienmörder, auf der anderen Seite der Polizist, der Rache will. Inhaltlich ist das weitestgehend belanglos – kürzt man es auf den kleinstmöglichen Nenner hat man ähnliche Geschichten schon dutzendfach gesehen. Doch bereits nach knapp einer halben Stunde wird schnell klar, dass I saw the Devil nicht den ausgetretenen Pfaden eines Genres folgt, das ohnehin nicht sonderlich variantenreich umgesetzt werden kann. Das Drehbuch des Debütanten Koon-jung Park wechselt nun jedoch die Perspektive: Aus dem Jäger wird der Gejagte. So überraschend diese erste von vielen Perspektivwechseln auch sein mag: Man kann der Geschichte hier erstmalig vorwerfen, dass sie arg konstruiert angegangen wird, um Überraschungen zu erzielen, den weiteren Verlauf in die Wege zu leiten. Diese Kritik mag nicht nur auf den ersten Blick gerechtfertigt sein und belastet die weitere Story durchaus, lädt jedoch zum spekulieren ein und ergibt am Ende, wenn man sich denn mit den Figuren auseinandersetzt, dann auch wieder Sinn. Denn im Gegensatz zu einer Vielzahl der Genrekollegen setzen Kim und Park nicht auf ein plattes Schwarz-Weiß-Szenario, in dem die Rollen klar verteilt sind. Der vermeintliche Held verliert sich in seinem Zorn und seinen Rachegelüsten. Er will sein Opfer immer wieder leiden sehen und ordnet diesem Ziel alles unter. Es fällt mit zunehmender Dauer immer schwieriger, sich mit dem Jäger zu identifizieren, da die Grenzen verschwimmen, diffuser werden.



Der gnadenlose Revenge-Thriller wird dabei von zwei exzellenten Schauspielern getragen: Byung-hun Lee, der mit Kim schon bei The Good, the Bad, the Weird zusammen arbeitete und der breiteren Masse durch seinen Einsatz in G.I. Joe geläufig sein sollte, spielt den Jäger, der den Tod seiner Verlobten sühnen will, sich dabei jedoch verliert und selbst zum Monster wird. Unabhängig davon wie gut er auch seine Rolle spielte – sein Gegenüber Min-sik Choi ist ein Ereignis, eine schauspielerische Naturgewalt. Choi gab schon in Oldboy eine Galavorstellung, doch seine Leistung in I saw the Devil ist einfach nur grandios. Wuchtig, präsent, bedrohlich, faszinierend, emotional, sarkastisch ist sein Killer. Selten war man von einem Serienkiller so fasziniert. Aufgrund der unterschiedlichen Ansätze erscheint ein Vergleich unsinnig, doch seine Leistung braucht den Vergleich zu der Lecter-Performance von Anthony Hopkins wahrlich nicht zu scheuen – war doch auch dieser Mörder gleichzeitig faszinierend wie abstoßend. Interessant dabei, wie sicher und gleichzeitig unauffällig Kim die Unterschiede zwischen den gar nicht so verschiedenen Protagonisten heraus arbeitet. Während der von Min-sik Choi gespielte Killer wie ein kurz vor dem Ausbruch stehender Vulkan wirkt, der durch seine Wut alles platt walzt, was sich ihm in den Weg stellt, legt Byung-hun Lee seine Figur fast emotionslos und kühl an. Diese unterschiedlichen Ansätze machen das Duell - man kann es so nennen, obwohl die beiden nach einem kurzen Intermezzo erst am Ende des Films wieder aufeinandertreffen – spannend.



Zudem hat Kim das Zepter stilsicher in der Hand, zieht die Spannung gnadenlos an und verpackt die Jagd in einen beeindruckend harmonischen Spannungsbogen ein, arbeitet geschickt mit ungewohnten Kameraperspektiven, Schnitten und Soundeffekten. Das ist stimmig, wirkt in sich harmonisch und ergibt einen intensiven, hoch spannenden Revengethriller, der das Rad nicht neu erfindet, aber dem besagten Rad so viel Anschwung gibt, dass man die Konkurrenz lässig überholt. Kim schreckt dabei von Beginn an vor sehr harten Szenen nicht zurück, die sich im Laufe des Films sichtbar steigern. Zartere Gemüter sollten lieber Abstand von dem Film nehmen. Es ist schon bezeichnend, dass I saw the Devil selbst in Korea drei Anläufe brauchte, bis er eine Freigabe erhielt. (Infos zur deutschen VÖ am Ende des Reviews.) Und in der Tat hat es der Film an sich. Es ist weniger die graphische Gewalt an sich, da waren die letzten Saw-Teile sicherlich in der Gesamtheit wesentlich deutlicher. Es ist vielmehr die Art und in welchem Zusammenhang diese Gewalt eingesetzt wird. Der Killer tötet fast schon beiläufig, gelangweilt, menschenverachtend. Etwaige Szenen werden nicht großartig aufgebaut, sondern brechen über den Zuschauer hinein, sind aber genau so schnell auch wieder vorbei. Das ist roh, das ist brutal und alles andere als unterhaltend. Bis auf wenige Ausnahmen findet der Regisseur aber auch  schnell genug den Absprung, blendet ab, deutet nur an. Doch das ändert nichts an der grundsätzlichen Härte, an denen sich sicher der eine oder andere stören wird, doch plakativ ist das nur selten - vielmehr wird Gewalt eingesetzt, um Emotionen zu wecken, oder den „Zerfall“ der Menschlichkeit zu zeigen. Man kann dann immer noch darüber debattieren, ob Gewalt in dieser Form eingesetzt werden muss, sollte aber zumindest anerkennen, dass diese Sequenzen nicht in den Mittelpunkt der Geschichte gestellt werden.



Dass es trotz der bisherigen Lobeshymne nicht für die ganz vorderen Plätze reicht ist umso ärgerlicher, wenn man bedenkt, dass diese Patzer durchaus vermeidbar gewesen wären. Einerseits muss man den einen oder anderen Story-Sprung hin nehmen. Kim verpflanzt seine Protagonisten nicht nur einmal aus einer Szene in ein anderes Setting, ohne zu erklären, was denn nun passiert ist. Zudem muss man die eine oder andere Unwahrscheinlichkeit schlucken, ohne zu hinterfragen, wie das nun genau ablaufen konnte. Diese Punkte sind jedoch in der Hinsicht halbwegs hinnehmbar, weil I saw the Devil im Gegensatz zu westlichen Thrillern nicht die Ermittlung des Killers in den Mittelpunkt stellt. Was viel schwerer wiegt ist der eine oder andere Subplot, den man sich gerne hätte schenken können. Insbesondere der völlig überzogene, deplazierte Besuch bei einem Kannibalen-Freund bringt weder der Story, noch der Dramaturgie etwas und zieht den Film schlussendlich nur in die Länge. So hätte die eine oder andere Straffung nicht geschadet, sind knapp 140 Minuten Laufzeit am Ende dann doch des Guten ein wenig zu viel.
Das Finale hingegen ist nicht nur aufgrund seiner Schlichtheit – reduziert es sich doch im Grunde auf das finale Zusammentreffen von Jäger und Gejagtem – brillant gespielt und inszeniert und wartet mit tollen Dialogen auf. Am Ende hat man nicht nur einen der besten Revenge-Filme der letzten Jahre gesehen, sondern ein beeindruckend dicht inszeniertes Drama, in dem die schauspielerische Klasse von Min-sik Choi dauerhaft in Erinnerung bleiben wird. 


- Fazit -

Hochspannend, exzellent gespielt und inszeniert, handwerklich überragend. Darüber hinaus bietet das inhaltlich austauschbare Revenge-Drama interessante Perspektivenwechsel und überraschende Wendungen. Leider unnötig in die Länge gezogen und hin und wieder nicht frei von logischen Schwachpunkten. Zudem dürfte die ungeschönte Brutalität nicht wenige abschrecken. Trotzdem: I saw the Devil sollte man alleine schon wegen der Leistung von Min-sik Choi gesehen haben. Mehr als ein Geheimtipp: Zählt man in ein paar Jahren die besten Revenge- und Serienkiller-Filme aller Zeiten auf, wird dieser südkoreanische Beitrag fraglos auf den vorderen Plätzen landen.

Bewertung: 8 | 10

Ein Wort noch zur deutschen Veröffentlichung. Der Verleiher Splendid schlug hier einen erfreulichen Weg ein und veröffentlichte die internationale Fasssung, die sogar etwas mehr gewalt enthält, als die koreanische Originalfassung. Da diese Version wie erwartet kkeine FSK-Freigabe erhielt, veröffentlicht man den Film nun im Rahmen der Black-Edition-Reihe mit der höchsten deutschen Freigabe SPIO/JK: Strafrechtlicch unbedenklich. Eine Indizierung dürfte nur eine Frage der zeit sein. Parallel dazu veröffentlichte Splendid den Titel aber auch in einer geschnittenen FSK Freigabe (kJ) für den normalen Handel. Diese Version musste jedoch um 11 Minuten im Vergleich zur SPIO-Freigabe geschnitten werden. Nähere Infos dazu bei den Kollegen von www.schnittberichte.com

Durchschnittliche Userbewertung

6.7/10 Bewertung (7 Stimmen)

- DVD FACTS UND EXTRAS -

 

DVD Verleihstart: -
DVD Verkaufstart: 15.04.2011

Label: 
Splendid

Verpackung: Keepcase
Wendecover: Kein Logo

Bild: 1,85:1 (anamorph / 16:9)
Laufzeit: ca. 136 Minuten
Uncut: Ja

Ton:
1. Deutsch (Dolby Digital 5.1)
2. Koreanisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: 
- Deutsch
- Niederländisch

Extras

  • Making of
  • Interviews
  • Tv Spots
  • Original Trailer
Review Extras
Nicht übermäßig viel, aber überzeugend. Insbesondere die mitunter sehr langen Interviews wissen zu gefallen, während das Making of etwas unstrukturiert wirkt.

Bewertung: 7 | 10

Durchschnittliche Besucher-Wertung

8.0/10 rating 1 vote
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