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Mai18

Livid - Das Blut der Ballerinas

Livid - Das Blut der Ballerinas

Originaltitel: Livide
Herstellungsland: Frankreich

Erscheinungsjahr: 2011
Genres: Fantasy, Horror
Freigabe: FSK-18
Regie: Alexandre Bustillo, Julien Maury
Schauspieler: Loïc Berthezene, Serge Cabon, Chloé Coulloud, Béatrice Dalle, Catherine Jacob u.a.

Lucys erster Tag als häusliche Krankenpflegerin führt sie in die marode Villa von Mrs. Jessel, die bereits seit Jahren in einem tiefen Koma liegt. Lucys geschwätzige Kollegin erzählt ihr, dass Mrs. Jessel früher eine gefürchtete Ballettlehrerin war. Und man vermute einen großen Schatz in ihrer unheimlichen Villa. Zusammen mit ihren Freunden William und Ben macht sich Lucy in einer Nacht schließlich auf die Suche und sie brechen in die Villa der alten Lady ein. Erst scheint auch alles glatt zu laufen, aber dann verschwindet William plötzlich in einer Wand und landet in einem geheimen Zimmer. Was er dort erleidet, geht über seine Vorstellungskraft. Doch dadurch scheint sich das schaurige Geheimnis endlich zu lüften, aber auch die jungen Leute regelrecht aufzufressen.

- Kritik -


In den letzten Jahren hat sich das französische Horror-Kino abseits der filmischen Heimat mit harter Genrekost einen sehr guten Namen gemacht: HIGH TENSION, MARTYRS, FRONTIERS und ganz besonders INSIDE kamen bei Fans und – zumindest teilweise – bei der Kritik sehr gut an. Letztgenannter Streifen wurde von Julien Maury und Alexandre Bustillo inszeniert, die sich durch den internationalen Erfolg auch für höhere Aufgaben empfahlen und prompt für das seit Jahren in der Pre-Production-Hölle schmorende Remake des Klassikers HELLRAISER von Bob Weinstein engagiert wurden. Nach Differenzen verließen sie das unsägliche Projekt und widmeten sich stattdessen in ihrer Heimat ihrem neuesten Film LIVID.

Das wichtigste vorweg: LIVID ist ein ganz anderer Film, hat einen ganz anderen Ansatz als die kühle Splatter-Orgie INSIDE. Maury und Bustillo beweisen nachdrücklich, dass sie wesentlich flexibler und mutiger sind, als man das bislang von ihnen erwartet hätte. Gorehounds sollten also ihre Erwartungen zurückschrauben, denn LIVID ist zwar nicht gerade unblutig, aber wirklich hart geht es eigentlich nie zu. Vielmehr schufen sie ein Horror-Märchen, das durch Atmosphäre und Stil überzeugt und im letzten Drittel gar einen Schritt in Richtung Fantasy macht. Alleine schon der Umstand, dass sie nicht in alten Konventionen verharren, sondern neue Dinge ausprobieren, die engen Grenzen des Genres hinter sich lassen und ein ausgeklügeltes, visuelles Konzept verfolgen, hebt ihren neuen Film weit über den durch US-Produktionen geprägten Durchschnitt hinaus und sollte eine Empfehlung sein, aber: Sie muten sich etwas zu viel zu und verzetteln sich innerhalb ihrer eigenen Ambitionen, ohne jedoch wirklich zu scheitern.

LIVID muss man aus dramaturgischer und konzeptioneller Sicht in drei Abschnitte teilen. Das erste Drittel führt die Charaktere ein, legt Story-Konstanten und die eher trostlose Stimmung fest. Das ist durchaus sympathisch, allerdings völlig unspektakulär und erweckt den Anschein, dass sehr früh klar wird, in welche Richtung es geht. Das Regie-Duo lässt sich Zeit, zu viel Zeit – das ist weder spannend, noch besonders originell oder anderweitig bemerkenswert, auch wenn die düstere Atmosphäre passt und früh deutlich wird, dass die jungen Filmemacher ein stilistisch sicheres Händchen haben. Das zweite Drittel, welches prinzipiell mit dem Einstieg in die Villa seinen Anfang findet,  scheint die Andeutungen  zu bestätigen, da die Handlung genau in die Richtung geht, die der Zuschauer erwartete. Maury und Bustille scheinen gar nicht daran interessiert zu sein, Spannung zu erzeugen, oder das Tempo anzuziehen: Selbst das Ableben zweier Figuren wird eher unaufgeregt eingefügt. In diesen Momenten schleppt sich der Euro-Horror eher mühsam über die Runden. Doch während man schon gar nicht mehr erwartet, dass einem mehr als stilsicher inszenierte Dutzendware vorgesetzt wird, entwickelt sich LIVID innerhalb dieses zweiten Drittels zu einem surrealistischen Alptraum voller kruder Einfälle und unvorhersehbaren Wendungen. War der Handlungsverlauf bis dato eher gradlinig, verlangt man vom Zuschauer mehr und mehr einfach hinzunehmen, dass die Logik keine Rolle mehr spielt.  Bustille und Maury nehmen – bewusst oder unbewusst – in Kauf, dass sie einen Teil ihres Publikums verlieren, denn die optischen und dramaturgischen Kapriolen, die sie nun schlagen, werden nicht jedem gefallen. Zu verspielt, zu abgedreht und teilweise auch überdreht schicken sie ihre charismatische Hauptdarstellerin Chloé Coulloud durch das düstere Haus und lassen sie hinter jede Tür eine neue Entdeckung machen, die das Puzzle nach und nach, erklärt durch Rückblenden, zusammen setzen. Dabei verneigen sich die Franzosen vor den europäischen Genreklassikern und zitieren Mario Bava ebenso wie Lucio Fulci und natürlich Dario Argento, dessen SUSPIRIA mehr als nur offensichtlich eine Vorlage für LIVID war – man denke in diesem Zusammenhang nur an das Diplom der Ballettschule aus Freiburg. Der surreale Touch verstärkt sich im letzten Drittel mehr und mehr und kulminiert schlussendlich in einem mehrdeutigen Ende, das die bis dahin zaghaften Fantasy-Einflüsse noch einmal unterstreicht und jedweden Anflug von Rationalität ausschließt.

Bustille und Maury kann man zu den rein visuellen Aspekten ihres Werks nur gratulieren: Jede Szene wirkt wie gemalt, die Detailfreudigkeit springt dem Zuschauer förmlich ins Gesicht. Zudem ist das Sound-Design sehr durchdacht, die Kameraarbeit lobenswert, die Atmosphäre dicht und der Score richtig gewichtet. Dass man aufgrund der Genreübergreifenden Geschichte auch nicht weiß, was als nächstes passiert, hebt LIVID dann endgültig über alle Konventionen hinweg. So weit, so gut. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Der Anfang ist zu zäh, die Geschichte an sich ohne dramaturgische Höhepunkte und wirkliche Spannungsmomente erzählt und die surrealen Einschübe wirken – bei aller visuellen Brillanz – etwas selbstverliebt und in dieser Vielzahl auch zu übertrieben. Die Regisseure verrennen sich im letzten Drittel zu sehr in ihrer Experimentierwut und verlieren das große Ganze aus den Augen, weil sie einfach zu viel wollen und zu viel zeigen möchten. Im Endeffekt führt das aber nur zu einer optisch beeindruckenden Nummernrevue, deren einzelne Elemente nicht mehr zusammen passen und kein homogenes Bild ergeben. Wie gesagt: LIVID ist anders und alleine daher schon einen Blick wert. Aber manchmal ist weniger eben auch mehr.

 

- Fazit -

Sehenswerter und visuell beeindruckender Horror-Trip der doppelbödigen Art, der sich an keine Konventionen hält und gleich mehrfach die Richtung ändert. Leider verlieren die französischen Filmemacher dabei das dramaturgische Gerüst aus den Augen, so dass der Film in seine einzelnen Teile verfällt, Spannung nur temporär aufkommt und eine klassische Dramaturgie nicht existiert.
Sehr ambitioniert. Vielleicht zu ambitioniert.

Bewertung: 6 | 10

 

Durchschnittliche Userbewertung

6.3/10 Bewertung (12 Stimmen)

- DVD FACTS UND EXTRAS -

 

DVD Verkaufsstart: 10. Mai 2012
DVD Verleihstart: 04. April 2012

Label: Sunfilm
Verpackung: Keepcase (Amaray)

Wendecover: Ja
 

Bild: 2,35:1 (anamorph / 16:9)
Laufzeit: 88 Min.

Uncut: Ja
 

Ton: 
1. Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1)

2. Französisch (Dolby Digital 5.1)
 

Untertitel: 
- Deutsch

 

Extras: 
Keine

Kritik: Extras
Gar nichts? Mehr als nur schade. 

Bewertung: 0 | 10

Durchschnittliche Besucher-Wertung

5.7/10 Bewertung (3 Stimmen)
Tobias Hohmann

Tobias Hohmann

   

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