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Nov10

Martyrs - Original & Remake

Martyrs - Original & Remake

Originaltitel: Martyrs
Herstellungsland: USA

Erscheinungsjahr: 2015
Genres: Horror, Thriller, Drama
Freigabe: FSK-18
Regie: Kevin Goetz, Michael Goetz
Darsteller: Troian Bellisario, Kate Burton, Caitlin Carmichael u.a.

Preis zum Test: EUR 22,95


 

Inhalt: Die 10-jährige Lucie kann aus einem einsam gelegenen Schuppen entkommen, in dem sie gefangen gehalten wurde. Tief traumatisiert kommt sie in ein Waisenhaus, wird aber permanent von schlimmen Alpträumen heimgesucht. Nur Anna - ein Mädchen in ihrem Alter - kann ihr dort Sicherheit bieten. Fast ein Jahrzehnt später kann Lucie - noch immer von Dämonen verfolgt - die Familie aufspüren, die sie so gequält hat. Mit Annas Hilfe kommt sie der qualvollen Wahrheit näher und ihre Alpträume werden plötzlich ganz real.

 


 

 


 

- Kritik -  

Nachdem Pascal Laugier's "Martyrs" (2008) veröffentlicht wurde, sorgte der Horrorfilm aus Frankreich für entsetze Gemüter aufgrund detailreicher Spezialeffekte die für viele Horrorfans als das wohl Härteste gilt, das man in den letzten Jahren gesehen hat. Umso verständlicher waren auch die kritischen Stimmen, die sich häuften, als sich 2016 ein US-Remake ankündigt. Die letzten Jahre haben nämlich gezeigt, dass man mit der Remake-Welle kaum noch Freunde gewinnen kann. Ob "Freitag der 13", "A Nightmare on elm Street" oder "Poltergeist" - kaum ein Remake  kam in den zweifelhaften Genuss eines glattpolierten Remakes, der das Original das Wasser reichen konnten. Weil mittlerweile einfach die bekanntesten und gefragtesten Horrorfilme neu geremakt werden, merkte man sehr schnell, dass die profitgierigen Produzenten die Ideen ausgehen. Mit "Martyrs" (2015) wird einem der gleiche Aufguss aus dem Original noch einmal aufgetischt. Die 10-jährige Lucie kann aus einem einsam gelegenen Schuppen entkommen, in dem sie gefangen gehalten wurde. Tief traumatisiert kommt sie in ein Waisenhaus, wird aber permanent von schlimmen Alpträumen heimgesucht. Nur Anna - ein Mädchen in ihrem Alter - kann ihr dort Sicherheit bieten. Fast ein Jahrzehnt später kann Lucie - noch immer von Dämonen verfolgt - die Familie aufspüren, die sie so gequält hat. Mit Annas Hilfe kommt sie der qualvollen Wahrheit näher und ihre Alpträume werden plötzlich ganz real. Kennt man das Original aus dem Jahr 2008, dann kennt man auch das Remake zu "Martyrs" aus dem Jahr 2015.

Aber schauen wir etwas genauer hin, schließlich bekommen wir mit der Limited Edition zu dem Remake von "Martyrs" auch das Original aus dem Jahr 2008 dazu, welches jedoch ab 1Std. 09Min 15Sek. einen Tonspur-Fehler aufweist und eine ca. 40Sek. Verzögerung nach sich zieht. Es ist teil schade und ärgerlich zugleich, da man die Bilder von den  gesprochenen Szenen erst später zusehen bekommt, als den Ton. Die Besprechung zu dem Remake aus dem Jahr 2015 wird ein direkter Vergleich mit der französischen Original aus dem Jahr 2008. Für einen derartigen Vergleich ist es natürlich unabdingbar, wichtige Fakten und Wendungen zu benennen, die einem Spoiler nahe kommen. Aber eines können wir vorweg sagen, das Remake von "Martyrs" aus der Feder von  Kevin und Michael Goetz ("Scenic Route - Kein Weg zurück"), ist keine 1:1 Remake. Ab einem gewissen Grad erzählt der Film eine deutliche abgewandelte Story. Das ist deshalb so interessant, weil es genau die Punkte betrifft, die das Original so grandios machen. Beide Filme beginnen mit den Ereignissen in der Vergangenheit. Wie im Original beginnt "Martyrs" (2015) direkt und ohne Erklärungen mit der Flucht Lucies aus ihrer Gefangenschaft. Das fesselt in beiden Fällen, egal ob man das Original nun kennt oder nicht. Die bisherigen dramatischen Ereignisse reichen, um eine höchst beklemmende Ausgangslage zu schaffen. In beiden Fällen sind die Jungdarstellerinnen von Lucie und Anna zutreffend besetzt und verkörpern ein dramatisches Trauma, indem man sich in beiden Figuren nachvollziehbar hineinversetzen kann.

Beide Filme springen nach der Einführung von Lucie und Anna sowohl um einige Jahre in die Zukunft als auch zu eine anderen Kulisse. Ein abgelegenes Landhaus wo eine vorzeige Familie am Frühstückstisch sitzt. Generell führt diese Szenario in beiden Filmen zum gleichen Ergebnis, das Original aus dem Jahr 2008 lässt sich in dieser Entwicklung aber wesentlich mehr Zeit. Vom dramatischen Standpunkt, punktet das Original in dieser Beziehung besser und dramatischer. Es gibt innerhalb dieser Szene nämlich eine leicht ausufernde Diskussion um banale Dinge wie Studium und Wochenendausflüge, wo das leben der vorzeige Familie im Fokus liegt und dadurch einen größeren Input erzeugt. Im dem Remake hingegen wirkt dieses Szenario straffer. Streng genommen wirkt das Remake dichter, erreicht aber nicht die Schockwirkung und Brutalität des Originals. Das Verkürzen dieser Szene im dem Remake führt dazu, dass der Schock über Lucies Tat nicht so hart und unvermittelt eintrifft wie im Original. Schlecht inszeniert ist das deswegen nicht, eher konservativ. "Martyrs" (2015) ist in dieser Hinsicht schnörkelloser und geradliniger, was das Remake in den ersten Szenen zwar dichter, aber eben auch berechenbarer macht. Sowohl Lucie als auch Anna sind im Original besser besetzt und ihre Charakter wirkt authentischer und mitfühlender. Während Lucie im Remake noch recht gut funktioniert, verblasst Anna sowohl in ihrer Ausstrahlung als auch in ihrer Motivation. Dazu muss man auch sagen, dass sich das Original an der Figur Anna deutlicher festgelegt hat. Es gibt dezente Hinweise und eine konkrete Szene, in der man verstehen kann, warum Anna Lucie beisteht. Denn Anna ist in Lucie verliebt. Das Remake verzichtet auf diese Bindung. Doch gerade diese Bindung von Anna zu Lucie erklärt das füreinander, wenn auch Anna im Remake eine deutlich untergeordnete Rolle einnimmt. Unmittelbar nach dem Szenario ändern sich der Inhalt im Vergleich zum Original erheblich. Im Original erliegt Lucie ihren Verletzungen und stirbt in dem Haus. Im Remake hingegen überlebt sie nicht nur, sie wird zur Hauptfigur. Im Original schafft es Regisseur Pascal Laugier, Anna zur neuen Hauptfigur zu machen. Im Remake hingegen bleibt es Lucie und Anna wird zu einer unbedeutenden Nebenfigur. Im Original erfährt Anna erst nach Lucies Tod, dass es sich bei der vorzeige Familie tatsächlich um grausame Peiniger handelt. Denn im Keller des Hauses befindet sich eine Art Folterstudio, modern und steril ausgestattet. Im Original trifft Anna hier auf ein weiteres Opfer, befreit sie von ihren Fesseln, doch auch dieses Opfer hat ein Trauma, glaubt, von Maden und Insekten übersät zu sein und will sich davon mit einem Messer befreien. Das Remake hingegen verzichtet komplett auf das alptraumhafte Szenario.

Bei den Verantwortlichen die hinter dem ganzen stehen, handelt es sich um eine Art Sekte, die sich der Forschung über das Jenseits hingeben und gleichermassen im Original und im Remake thematisiert. Eine ältere Dame erklärt in beiden fällen den Hintergrund des Märtyrers - einen ganz besonderen Menschen, der unvorstellbaren Schmerz und Leid ertragen kann und darüber hinaus wächst.  Nach dem Tod von Lucie im Original wird Anna das Versuchsobjekt der Forschergruppe. Im Remake hingegen bleibt es Lucie, Anna wird lebendig in ein Massengrab geworfen und gelingt später die Flucht. Nun will Anna im Remake Lucie aus den Händen der Sekte befreien, mit Hilfe von Lucies Schrotflinte. Ab diesem Punkt zerfällt dann das Gesamtgerüst des Remakes, denn die Motivationen und Handlungen aller Beteiligten nimmt reichlich fragwürdige Züge an. Das betrifft zum einen Lucie, wenn auch nur indirekt. Für die Gruppe ist Lucie im Remake ein Hoffnungsträger, ein Testobjekt, welches den Übertritt schaffen kann. Im Original wurde Lucie als Opfer beschrieben, ihr Geist ist nicht stark genug, den Schmerz zu ertragen, er bricht, entwickelt Abwehrmechanismen, lässt ein Monster entstehen. Im Remake hingegen wird uns Lucie als etwas besonderes beschrieben, doch ohne dafür Begründungen zu liefern. Hinzu kommt die Unglaubwürdigkeit, nach so vielen Jahren wieder mit der Behandlung anzusetzen und auch gleich das gewünschte Ergebnis zu erzielen. In "Martyrs" aus dem Jahr 2008 ist das gänzlich anders. Die Gruppe forscht seit Jahrzehnten, aber ihr Ziel scheint unerreichbar. Genau das ist der Grund, es immer wieder versuchen zu müssen, weil man einfach nicht weiß, wer in einen solchen Zustand geraten kann. Dieser Umstand bestimmt die Motivation der Gruppe. Der Fokus auf Lucie im Remake verblast mit der Zeit, zum anderen wirkt es unglaubwürdig. In Original nimmt Anna Lucies Platz ein. Sie wird systematisch gefoltert, ist aber genauso wenig ein Favorit wie es Lucie war. Doch dann geschieht das unglaubliche. Anna verändert sich, sie erduldet den Schmerz, sie erträgt es, nimmt das Leid in sich auf und beginnt, sich zu verwandeln. Es gelingt Regisseur Pascal Laugier, das nachvollziehbar zu erzählen, denn auch der Schmerz, der Anna angetan wird, erstreckt sich nur über einen kurzen erzählerischen Zeitraum. Aber Anna wurde von Anfang an so angelegt, dass man ihr den Wandel abkaufen kann.

Das funktioniert im Remake überhaupt nicht, nicht nur, weil es auf die Figur Lucie übertragen wurde, sondern weil sie zum Rachegirl mutierte, die nach Rache suchtet. Anna ballert sich  im Remake genüsslich mit der Schrotflinte durchs Finale, aber es zeigt keinerlei befriedigende Wirkung. Anna wird im Remake als Abfall entsorgt, kommt zurück und will Lucie retten, die derweil gekreuzigt wurde und kurz vor dem Übergang ins Jenseits steht. Anna räumt innerhalb der Gruppe auf, erschießt alle Beteiligten, kann Lucie aber auch nicht retten. Damit entfernt sich das Remake zu weit vom Original, was dem Film letztendlich das Genick gebrochen hat. Im Original tritt Anna am Ende ihres Martyriums tatsächlich in einen  Bewusstseinszustand ein, erfährt von der Existenz der anderen Seite, doch diese Erkenntnis führt dazu, dass sich die Leiterin der Gruppe selbst erschießt. Das Ende des Originals ist sehr offen gestaltet, man kann nicht genau sagen, was passiert und aus welcher Erkenntnis heraus sich die Leiterin am Ende erschießt. Das Remake erreicht dieses Gefühl in keinster Weise. Im Gegenteil, es gerät am Ende zur Lachnummer. Wenn man ganz objektiv an "Martyrs" 2015 herangeht und ihn nicht von Anfang an als unnötiges Remake ansieht, muss man feststellen, dass trotz kleiner Änderungen die erste Filmhälfte durchaus spannend geraten ist. Möglicherweise kann man auch den Mut der Goetz-Brüdern anerkennen, ab der zweiten Filmhälfte eine andere Geschichte aus einer anderen Perspektiven zu erzählen. Aber mit der gleichen Objektivität muss man dann auch feststellen, dass es sowohl für die Hintergrundgeschichte als auch für die Figuren Anna und Lucie so einfach nicht funktioniert. Am Ende lehnt sich Anna an die zwar gerettete, aber im Sterben liegende Lucie, deren Augen weit aufgerissen sind, ihr Geist befindet sich möglicherweise auf der anderen Seite. In diesem Moment verändern sich auch Annas Augen, völlig grundlos, ohne Folter. Auch Anna befindet sich in einem Bewusstseinszustand auf dem Weg ins Jenseits und keiner weiß warum. Waren die letzten zwanzig Minuten des Remakes eher unmotiviert und an den haaren vorbei gezogen, ist das Ende albern und dämlich zu gleich.

Das Remake folgt brav dem dramatischen Regelwerk, es bleibt bei der eingeführten Hauptfigur, es führt einem nicht an der Nase herum und es endet konventionell. Die Schwächen des Remakes liegen nicht in der Inszenierung, die ist nämlich ziemlich straff und schnörkellos geraten und in Sachen Härte und visuelle Gewaltdarstellung beinahe handzahm ausfiel. Natürlich war auch das Original nicht auf Splatter ausgelegt, aber es hatte eine drastische und härtere Gangart zu verzeichnen. Das Remake hingegen lässt die wichtigste Wirkung der Geschichte einfach außen vor. Denn das, was "Martyrs" aus dem Jahr 2008 so kontrovers und polarisierend gemacht hat, ist weniger die Folter und die Misshandlung an sich. Es ist etwas völlig anderes, was bislang kein Film erreicht hat. In "Martyrs" wird einem eine Geschichte über menschenverachtende Misshandlungen erzählt und man entwickelt einen Hass gegen die Peiniger im Hintergrund. Aber man ist sich sicher, dass es keine Rechtfertigung für die Taten der Sekte geben kann. Doch dann erfährt man am Ende den Grund und dieser Grund lässt einen zweifeln. Das ist meines Erachtens die größte Stärke beider Filme, neben allen dramatischen und höllischen Experimenten verwischt er die Grenzen zwischen Opfern und Tätern und deren Motivationen. Das Remake erreicht diese Tiefe nie, es spart diese unangenehmen Fragen zu Gunsten von Rachemotiven aus. "Martyrs" 2015 ist zwar in der ersten Filmhälfte Temporeich und spannend inszeniert worden, verrennt sich aber in der zweiten Filmhälfte und verliert dabei jegliche psychische Strapazen. Möglicherweise traute man dem amerikanischen Publikum diesen Zwiespalt nicht zu. Zwar kann man dem Remake das hoch anrechnen, neue erzählerische Wege gehen zu wollen, dennoch passen in diesem Remake Charakter und Motivation ab der zweiten Filmhälfte einfach nicht mehr beisammen. Das Remake zu "Martyrs" wäre vielleicht als direkter Fortsetzung besser gewesen. So bleibt alles beim Alten, das Original ist ein Muss, das Remake verzichtbar.

 

 - Fazit -  

Konventionell und nicht so brutal, wie das Original - dafür aber spannend inszeniert. Vergleicht man das amerikanischen Remake mit dem französischen Original, zieht das von den Goetz-Brüdern inszenierte Remake definitiv den Kürzeren. Das überrascht wenig, gehört der französische Horrorfilm zum Besten, was das moderne Horrorgenre hervorgebracht hat. Zu aller Überraschung kann das Remake in der ersten Filmhälfte unterhalten. Statt Angst, Terror und extreme visuelle Gewaltdarstellung stehen im Remake Tempo, Hektik und Rache auf dem Umsetzungsplan. Das ist zwar nicht gerade das, mit dem das Original ihren Siegeszug angetreten hat. Dennoch, der neue "Martyrs" überzeugt als kurzweiliger und packend Inszenierter Überlebens- und Rachethriller in allen Belangen. Leider mangelt es dem Streifen in der zweiten Filmhälfte an Logik, denn die Figuren verhalten sich auf ihrer Flucht vor bösen Sektenmitgliedern etwas hanebüchen. Zudem fehlen dem Remake psychischen Strapazen, die das Original auszeichneten und unwohliges Baugefühl verursacht haben. Das ist bedauerlich, weil das Remake trotz souveräner Machart zwar kurzweilige 90 Minuten verspricht, aufgrund fehlender Terror-, Holzhammer- oder Schockmethoden leider nur ein weiterer Rache- und Überlebensthriller unter vielen bleiben dürfte. 

Wertung: 5|10 (Remake)

Wertung: 8|10 (Original)

Durchschnittliche Userbewertung

5.0/10 rating 1 vote

 

- BD FACTS UND EXTRAS -

 

BD Verkaufstart: 03. November 2016
BD Verleihstart: 03. November 2016

Publisher: Tiberius Film

Verpackung: 2-Disc Blu-ray-Box mit O-Card
Wendecover: Nein

Bild:  2,35:1 (1080p)
Laufzeit: ca. 86 min. (2015) / ca. 94 min. (2008)
Uncut: Nein

Ton:
1. Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1)
2. Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel:
Keine

Extras:

  • Inside the Creature - Featurette
  • Trailer

Kritik Extras
Ein "Inside the Creature-Featurette" (17 Minuten) ist neben ein paar Trailern das einzige Bonusmaterial auf der Blu-ray und bietet leider keinen nennenswerten Mehrwert. Aber immerhin bekommt man "Martyrs" aus dem Jahr 2008 als nettes Beiwerk dabei. Sowas macht viel her, auch wenn man diese Beigabe nicht direkt als Bonusmaterial betiteln kann.

Wertung: 3|10

Durchschnittliche Besucher-Wertung

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Chris Doglei

Chris Doglei

   

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