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Filmtipp  

   

Kommende Reviews  

   
Aug25

Blutrache

Blutrache

Originaltitel: Dean man´s shoes
Herstellungsland: England
Erscheinungsjahr: 
2004

Genre: Drama, Thriller
Freigabe: FSK-18
Regie:
 Shane Meadows

Darsteller: Paddy Considine, Gary Stretch, Toby Kebell u.a.

Die letzten fünf Jahre kämpfte Richard für das Vaterland bei einer Kommandoeinheit im Orient. Jetzt kehrt er heim ins verregnete englische Kleinstädtchen, wo die örtlichen Gaunerclique im obligaten Vollrausch dem kleinen, geistig zurückgebliebenen Bruder übel mitspielte. Richard hat keine Lust, sie damit davon kommen zu lassen, und nimmt die Quälgeister seines Bruders einen nach dem anderen ins Visier, um sie zu ängstigen, vor ihren Freunden zu demütigen und nacheinander ins Jenseits zu befördern.

- Kritik -

Entgegen der Angaben auf dem DVD Backcover ist „Dead Man´s shoes“ (Originaltitel) nicht aus dem Jahre 2006, sondern datiert auf das Jahr 2004. Das der Film erst jetzt den Weg zu uns findet, liegt sicherlich an Shane Meadows bekannteren Nachfolgefilm „This is England“, der in Deutschland jedoch bereits 2007 erschien.Wer sich nun aufgrund der Inhaltsangabe einen Actionthriller erhofft, dürfte „Blutrache“ wohl nach wenigen Minuten enttäuscht ausschalten, denn der Film ist alles, aber mit Sicherheit kein dumpfer Rachefilm, wie es ihn in den Untiefen der Direct to DVD Releases jeden Monat gibt. Es ist vielmehr ein sensibles, subtil geschriebenes und inszeniertes Drama, das mit den üblichen Mechanismen der Selbstjustizstreifen spielt, um dann doch in eine ganz andere Richtung zu gehen. Dabei mag Meadows zwei Jahre vor seinem internationalen Durchbruch noch nicht die Finesse und die Sicherheit haben, die er in „This is England“ präsentierte - doch ein mehr als nur sehenswertes Werk ist ihm mit dem so minimalistischen und dennoch intensiven „Blutrache“ ebenfalls gelungen.

Der Zuschauer wird sehr lange im Unklaren gelassen, was eigentlich passiert ist. In hervorragend eingefügten Schwarz-Weiss Rückblenden wird Stückchen für Stückchen enthüllt, was passierte. Dabei steigert sich die Intensität und die Beschämung über das Verhalten gegenüber dem geistig zurückgebliebenen Anthony ebenso, wie die Taten Richards; beide Erzählstränge laufen quasi parallel: Je demütigender die Erniedrigungen Anthonys werden, desto mehr steigert sich Richards Rachedurst und die Brutalität seiner Taten. Richards Monolog umschreibt das sehr schön: „Gott wird ihnen verzeihen. Er wird ihnen verzeihen und sie in den Himmel lassen. Ich kann das nicht zulassen“ Er verzettelt sich immer mehr in seiner Rache, ahnt selbst, das er sich nicht mehr unter Kontrolle haben wird und sieht schlussendlich nur noch einen Ausweg.

Dabei machen Meadows und sein Co Autor und Richard Darsteller Paddy Considine nicht den Fehler, Anthonys Misshandlungen als Legitimation für Richards Taten vorzuschieben. Nüchtern, fast schon sachlich lassen sie beide Parallelmontagen auf den Zuschauer wirken. Die Frage wer das Opfer und wer das Täter ist, wollen sie nicht beantworten und überlassen das jedem selbst. Das in dem ganzen Film scheinbar keine Instanz für Ordnung sorgt – nie sieht man Polizei – ist da nur konsequent: Richard ist die letzte Instanz, er entscheidet wer leben und wer sterben darf. Die Bewertung seiner Taten und die schlussendliche Konsequenz trägt er selbst. Paddy Considine („Hot Fuzz“) als Racheengel Richard und insbesondere Toby Kebell „RocknRolla“), als geistig zurückgebliebener Anthony, liefern eine hervorragende Vorstellung ab. Die schönsten und einprägsamsten Szenen sind die, in denen die beiden Brüder zusammen zu sehen sind. Obwohl in diesen Sequenzen kaum etwas passiert, sind sie elementar wichtig für das Funktionieren des Streifens. Sie bilden den Ruhepol und zeigen das andere Gesicht Richards, der ansonsten zu einem stupiden und stumpfen Charakter geworden wäre.

In diesem Zusammenhang muss man auch den superben Soundtrack loben, der das Geschehen perfekt untermalt und wesentlich zur Stimmung und Atmosphäre beiträgt. Perfekt ist Meadows Beitrag zum Rachefilmgenre trotzdem nicht. Zu offensichtlich ist der eigentliche Clou des Films, zu unnötig das „verheimlichen“ des Offensichtlichen.

ACHTUNG SPOILER

Es ist eine wunderschöne Idee, das Richard mit seinem toten Bruder spricht. Diese Szenen und Dialoge sind wie gesagt wichtig und wunderschön eingefangen. Warum aber Meadows verzweifelt versucht, den Tod so lange geheim zu halten, wird nicht klar.

Klar: Die Parallelmontagen würden nicht in der Form funktionieren, aber die Zwanghaftigkeit, den Tod Anthonys „geheim“ zu halten, wirkt arg bemüht und stört des öfteren den eigentlichen Ablauf.

SPOILER ENDE

Dazu verlassen sich die Beiden zu sehr auf ihre beiden Hauptfiguren und vernachlässigen die Gruppe der Kleinstadtganoven. Zu eindimensional, zu hilflos und zu ungefährlich erscheinen sie im Vergleich zu Richard. Wenn sie mit einer grünen Ente zu einem Mordversuch fahren, hat das fast schon skurrile Qualiäten, die in einem Guy Ritchie Film sicherlich besser aufgehoben wären, als in diesem nüchternen, minimalistischen und im Tenor sehr ernsten Film. Dazu droht „Dead men´s shoes“ im Mittelteil auch kurzfristig etwas durchzuhängen. Die guten Darsteller und die verschachtelte Erzählweise trösten zwar darüber hinweg, in Erinnerung bleiben diese kleineren Hänger jedoch schon. Allerdings reisst das Ende alles wieder raus. Hier nimmt der Film zwar seinen eigentlich logischen, aber nicht minder dramatischen Verlauf und weiß hier durchaus zu überraschen. Die Frage: Wer ist Opfer, wer ist Täter? wird hier nochmals und in aller Deutlichkeit in den Raum geworfen. Ein toller Schluss, der einen Schlag in die Magengrube gleicht und noch lange nachwirkt.
 

- Fazit -

Origineller britischer Beitrag zum Rächerfilmgenre. Viel mehr Drama als Thriller, überzeugt „Blutrache“ durch eine verschachtelte Erzählweise, einem tollen Soundtrack und zwei hervorragenden Hauptdarstellern. Die (wenigen) Mängel können aber nicht durchgehend überspielt werden und selbst das überraschende

Bewertung: 7 | 10

Durchschnittliche Userbewertung

3.6/10 Bewertung (7 Stimmen)

- DVD FACTS UND EXTRAS -

 

DVD-Verleihstart:  02.09.2008
DVD-Verkaufstart: 23.10.2008
- Single Disc 
 
Label: 
Ascot Elite
Verpackung: 
Keep Case
 
Ton:
1. Deutsch Dolby Digital 5.1
2. Englisch Dolby Digital 5.1
 
Untertitel:
- Deutsch
 
Bild: 
1.85:1 (16:9)
Laufzeit: ca. 86 Min.
Uncut: 
Ja 

Extras:

  • Audiokommentar
  • Mark Herbert
  • Shane Meadows
  • Deleted Scenes 
  • Erweiterte Szenen
  • Alternatives Ende
  • Trailershow

Review Extras:
Für eine Single Disc fährt Ascot erstaunlich viele Extras auf. Da wäre einerseits der ungemein interessant Audiokommentar von Mark Herbert (Produzent) und Shane Meadows (Regie), den man sich aber unbedingt erst dann anschauen sollte, wenn man den Film bereits einmal gesehen hat. Die Deleted Scenes und die erweiterten Szenen sind recht zahlreich, manche davon hätte man sich sogar im fertigen Film gewünscht, daher ist hier ein Blick sicherlich ratsam. Das alternative Ende steht dem Original kaum nach, wirkt im Vergleich aber dann doch deutlich unterlegen. Auch hier gilt: Erst nach dem Film ansehen. Abgerundet wird das Bonusmaterial durch eine Trailershow. Recht ausführliches, informatives Bonusmaterial. Für eine Single Disc erstaunlich und bemerkenswert. Ein paar Interviews wären noch das Sahnehäubchen gewesen.

Bewertung: 8 | 10

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Tobias Hohmann

Tobias Hohmann

   

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