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Mär01

Wer ist Hanna?

Wer ist Hanna?

Originaltitel: Hanna
Herstellungsland: USA/Deutschland/Großbritannien
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Action, Thriller, Drama

Freigabe: FSK-16
Regie: Joe Wright

Darsteller: Saoirse Ronan, Eric Bana, Vicky Krieps, Cate Blanchett, Paris Arrowsmith u.a.

In ihren 16 Lebensjahren lernte Hanna (Saoirse Ronan) diverse Nahkampftechniken, den Umgang mit Waffen und etliche Fremdsprachen in der Einöde Finnlands. Dort lebt sie mit ihrem Vater Erik (Eric Bana) in einer Waldhütte - fernab jeglicher Zivilisation. Eines Tages erzählt sie ihm, dass sie endlich bereit sei. Kurz darauf händigt Erik ihr einen Peilsender aus, den sie drückt und der dazu führt, dass die CIA bald vor der Tür steht. Hanna wird gefangen genommen, von Erik findet sich aber keine Spur mehr, da er rechtzeitig floh. Nach der Ausführung ihres Auftrags wollen sie sich in Berlin wiedertreffen. Hanna soll die CIA-Agentin Marissa (Cate Blanchett) umbringen. Als sie in Gefangenschaft ist und um ein Gespräch mit ihr bittet, ahnt Marissa den Hinterhalt und schickt eine Doppelgängerin in Hannas Zelle, die bald darauf tot ist. Hanna kann gerade so aus dem Gebäudekomplex fliehen, denkt, sie habe ihren Auftrag erfolgreich ausgeführt, und macht sich nun auf den Weg nach Berlin - verfolgt von Marissa und ihren Männern...

- Kritik -


Als der Trailer zu WER IST HANNA ?  veröffentlicht wurde, rieben sich viele Kinofreunde verwundert die Augen: Das sollte der neue Film von Joe Wright sein? Von einem Regisseur, der solche gefeierten Arbeiten wie STOLZ UND VORURTEIL oder ABBITTE inszeniert hatte? Nicht, dass der Trailer schlecht war, doch im Grunde wirkte er wie eine Variante der Bourne-Filme, diesmal eben nur mit einer jungen, weiblichen Hauptfigur. Man erahnte zwar, dass es da noch eine weitere Erzählebene gab, doch im Zentrum sah das aus wie ein recht austauschbarer Action-Thriller. Damit tat man dem Streifen jedoch Unrecht, denn WER IST HANNA ?  hat wesentlich vielseitigere Facetten zu bieten. Ob das dem Ergebnis dann gut tut, steht ja wieder auf einem anderen Blatt.

Der von der Kritik überwiegend sehr gut aufgenommene neue Wright-Film wagt sich an eine Mischung aus mehreren Genres, ist gleichzeitig Actionfilm, Drama, Thriller, Road Movie und Komödie. Doch all diese Elemente dienen nur dazu, um den Weg eines Mädchens zu zeigen, dass die Welt entdeckt. Die Suche nach der Wahrheit verläuft parallel zu Hannas Reise zu sich selbst – und das ist der eigentliche Kern und das zentrale Thema der Geschichte. Und erkennbar legt Wright auf diesen Kern  auch am meisten Wert, inszeniert in den entsprechenden Momente feinfühlig und visuell mitunter sogar berauschend. Zudem garniert er das Ganze sehr offensichtlich mit Einflüssen der Gebrüder-Grimm-Erzählungen, was sowohl optisch und inhaltlich deutlich wird. Er gönnt sich und seinen Akteuren Momente der Ruhe, nimmt sich den Luxus, seine Hauptdarstellerin  „atmen“ zu lassen und beweist, welch großartiger Stilist er ist, wenn er zwischen den verschiedenen Schauplätzen übergangslos hin und her schwankt und diese nutzt, um das Innere seiner Figuren zuverdeutlichen. Wright kann etwas erzählen, ohne zwangsläufig Dialoge  benutzen zu müssen. Dabei kann er sich auf eine großartige Saoirse Ronan verlassen, die eine überragende Leistung abliefert und sowohl zart, verletzlich, verwirrt, aber auch hart und diszipliniert überzeugend darstellen kann. Dass sie außerdem auch in den sehenswerten Fightszenen punkten kann, ist natürlich auch kein Nachteil. Um die positiven Aspekte dann gleich noch zu komplettieren: Der Soundtrack der Chemical Brothers ist eine Wucht und ebenso vielschichtig wie Erzählweise und Look von WER IST HANNA? Durchaus gewöhnungsbedürftig, aber toll.

Doch insgesamt betrachtet, hat Wright sich hier verhoben – glücklicherweise schadet das dem Film aber nur punktuell. Film und Regisseur interessieren sich weder für die eigentliche Handlung des Films, noch für die Nebencharaktere oder eine glaubwürdige Geschichte. Die ersten 30 Minuten verlaufen recht straight, zielgerichtet und zählen zu der stärksten Phase des Films. Der Zuschauer weiß genauso viel wie die Hauptfigur und alles läuft darauf hinaus, dass Hanna – wofür auch immer – ihren bisherigen Lebensmittelpunkt verlässt. Bis dahin ist alles in bester Ordnung, doch sobald das Mädchen inhaftiert worden ist, interessiert sich das alle andere als originelle Drehbuch –welches auf den ersten Blick wie eine Mischung aus NIKITA und LEON, DER PROFI anmutet - nicht mehr für die Geschichte. Unlogische Brüche, fast schon surreale Ortswechsel, unglaubwürdige  Handlungsschritte sind die Folge. Fast schon mürrisch kehrt Wright zwar immer wieder zu seinem Hauptplot zurück, doch der ist nur noch Mittel zum Zweck, um eine gewisse Dramaturgie als roten Faden zu haben – das geht jedoch auf die vorher durchaus clever aufgebaute Spannung und Dramatik, die nun zwischenzeitlich völlig verschwindet und in der Form auch nicht mehr aufgebaut werden kann. Dabei ist das „Geheimnis“ um die Identität des Mädchens ebenso banal wie austauschbar und am Ende wirklich nur ein Mittel zum Zweck, um das eigentliche Anliegen erzählen  zu können. Doch das Plot-Desinteresse von Regie und Drehbuch schlägt sich nicht nur in der Erzählweise und der stilistischen Herangehensweise nieder, sondern auch in der Porträtierung der Nebenfiguren. Cate Blanchett als Dana-Scully-Look-Alike bleibt gnadenlos blass, völlig austauschbar und wirkt wie ein Reißbrettcharakter  eines zweitklassigen B-Movies. Eric Bana wird ebenso verschenkt, macht aber noch das Beste aus seinem undankbaren Part und überzeugt immerhin in einer gut choreographierten Kampfszene. Tom Holland als gewalttätiger Striplokalbesitzer kann noch am meisten punkten, darf aber wenig mehr sein, als der Psycho vom Dienst.  Von seinen beiden Skinhead-Begleitern wollen wir mal gar nicht erst anfangen. Schön, wenn endlich mal keine Klischees bedient werden … 

Das klingt jetzt alles negativer als eigentlich gewollt, denn WER IST HANNA? Ist durch die Bank weg unterhaltsam, kann mit einer großartigen Darstellerin, wunderschönen Bildern und einer generell sehr cleveren und stilistisch überzeugenden Optik punkten. Kümmert sich Wright um den Aspekt, der ihn offensichtlich ohnehin am meisten interessiert, gelingen ihm sogar einige denkwürdige Szenen, z.B. im Zelt, als Hanna eine Freundin findet. Doch er macht es weder sich noch dem Zuschauer leicht und so dürfte sein neuestes Werk zwar insgesamt gute, aber durchaus auch gemischte Meinungen hervorrufen, weil er einfach zu viel will und anreißt, dann aber scheinbar die Lust verliert und sich nur noch auf seine erzählerische Doppelbödigkeit, seine Darstellerin und seine Optik verlässt, darüber hinaus jedoch alles andere vernachlässigt.  Doch damit verprellt er genau das Publikum, die er mit dem ersten Drittel an sich binden konnte. Absolut sehenswert,  aber im Gesamten über das Ziel hinaus geschossen.

 

- Fazit -

Schwierig. Optisch und stilistisch eine Wucht, zudem mit einer großartigen Hauptdarstellerin gesegnet. Doch Wright will zu viel, muss mit einem zu schwachen Drehbuch arbeiten und verirrt sich dabei in den Motiven der unterschiedlichen Genres. Dabei verschenkt er zu viel Potenzial, lässt zu viele Nachlässigkeiten durchgehen, schwankt zu sehr zwischen den einzelnen Extremen und verliert dabei teilweise seine erzählerische Sicherheit. Ein bemerkenswerter und sehenswerter Film – aber nicht so gut, wie er mit etwas mehr Sorgfalt hätte sein können.

Bewertung: 7 | 10

Durchschnittliche Userbewertung

5.7/10 Bewertung (10 Stimmen)

- DVD FACTS UND EXTRAS -

 

DVD Verleihstart: 28. November 2011
DVD Verkaufsstart: 08. Dezember 2011


Label: Sony Pictures
Verpackung: Keep Case (Amaray)

Ton:
1. Deutsch (Dolby Digital 5.1)
2. Englisch (Dolby Digital 5.1)
3. Kommentare (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: 
- Deutsch
- Englisch
- Türkisch
- Audiokommentar

Bild: 2,40:1 (anamorph / 16:9) 
Laufzeit: ca. 106 Minuten
Uncut: Ja

Extras
  • Kommentar mit Regisseur Joe Wright 
  • Alternatives Ende (1:26 Min.) 
  • Entfallene Szenen   
  • Hanna trampt (1:28 Min.)  
  • Erik checkt aus (0:34 Min.)  
  • Hanna benutzt das Internet (1:50 Min.) 
  • Anatomie einer Szene: Die Flucht aus Camp G (3:04 Min.)

Kritik Extras
Der Audiokommentar von Wright ist interessant, den sollte man sich nicht entgehen lassen. Ansonsten ist das Ganze aber recht dürftig.

Bewertung: 5 | 10

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Tobias Hohmann

Tobias Hohmann

   

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