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Dez26

Special: Der deutsche Indie-Film

Special: Der deutsche Indie-Film

Der deutsche Indie-Film hat es nicht leicht. Es gibt kaum Filmförderung, das Geld ist knapp und nur wenige Filmemacher bringen ihre ambitionierten Projekte über die Ziellinie. Die, dies es schaffen, steht der schwere Weg der Vermarktung bevor. Dennoch gibt es Filme, die es in Deutschland in die Regale schaffen bzw. auf einer VOD-Plattform. Filme wie PLAN B – SCHEISS AUF PLAN A oder ATOMIC EDEN schaffen es gar auf den internationalen Markt inklusive Kino-Releases. Einige aktuelle positive Beispiele deutscher Indie-Filme stellt Ihnen BGT-Redakteur Kevin Zindler nun vor.

 

 


 

Darwins Law

Regie: Matthias Olof Eich
Matthias Olof Eich hat mit BREAK und BUNKER OF THE DEAD bewiesen, dass er verdammt unterhaltsame, blutige und vor allem temporeiche Filme inszenieren kann. Sein aktuelles Werk DARWINS LAW legt im Vergleich zu Eichs vorherigen Streifen noch einmal eine Schippe drauf.
Inhalt: Agent Scott Taylor untersucht ein illegales Killer-Online-Spiel namens „Darwins Law“. Bei den Ermittlungen kommt er den Verantwortlichen zu nahe, was zu Folge hat, dass er plötzlich von der Bildfläche verschwindet. An einem Felsen hängend, muss er feststellen, dass er jetzt selbst Teil des Spiels ist. Der Überlebenskampf beginnt.
Kurz Kritik: DARWINS LAW macht keine Gefangenen. In den Bergen – wo sich die gesamte Hetzjagd abspielt -  wird gesägt, geschossen und gehämmert. Hauptprotagonist Taylor kämpft sich im Survival-Modus  durch diverse freakige Gegner (Indianer, Clown, abgehalfterter Sheriff usw.), um nicht nur sich, sondern auch seine Tochter zu retten. Dabei geht es wenig zimperlich zur Sache. Der Härtegrad ist hoch, doch auch gepflegter schwarzer Humor und kernige Sprüche kommen nicht zu kurz. Ein abgedrehtes Stück Zelluloid, welches sich Splatter als auch Actionfans nicht entgehen lassen sollten.

Wertung:
7|10




Interview mit Matthias Olof Eich:

Dein erster eigener Ausflug ins Regie-Fach war der Fantasy-Kurzfilm „VOUS“. Wie ist es dazu gekommen?
Wir wollten nach unserem STAR WARS Fanfilm etwas eigenes drehen. Um schnell an Ideen zu kommen, bin ich damals in einem Kurzgeschichten-Forum über eben diese Kurzgeschichte gestolpert. Ich habe die Autorin um Erlaubnis gebeten sie verfilmen zu dürfen und los ging´s. Zudem durfte ich was mit Fantasie, Masken und Kostümen machen. PERFEKT sozusagen.

Würdest du jedem angehenden Filmemacher empfehlen, mit Kurzfilmen anzufangen?
Ja und Nein. Ein Kurzfilm hilft ungemein die Abläufe richtig hinzubekommen und zeigt einem ganz schnell seine Grenzen und Fehler, ohne das viel Geld und/oder Zeit verloren geht. Hat man aber die Chance sich gleich bei den großen und erfahreneren Produktionen mit einzuklinken, sollte man dies vorziehen. Die Kurzfilmkultur, so wie sie vor ein paar Jahren existiert hat, ist vorbei. In den achtziger und neunziger Jahren war Filmemachen zudem sehr teuer, da war ein Kurzfilm das einzig mögliche. Dann kam VHS, DV, H-DV, HD und jetzt 4K bis 16K... und das alles auf deinem TELEFON. Also bitte. Wer bei einem Kurzfilm 100% gibt, kann gleich einen Langfilm machen. Kein Unterschied.

Mit BREAK und BUNKER OF THE DEAD hast Du dann auch zwei Langfilme gedreht, die bei vielen Splatter und Actionfans sehr gut ankamen. Welche prägenden Erfahrungen hast du aus diesen Produktionen gezogen und wie zufrieden warst du mit den filmischen Ergebnissen sowie mit den Reaktionen des Publikums auf die Filme?
Grundsätzlich ist meine Devise: „IMMER BESSER WERDEN“ ... ich möchte jeden Film besser machen wie den zuvor. Unabhängig vom Genre. Ich hoffe, dass Außenstehende auch deutlich sehen wie wir uns von Film zu Film steigern. Was die Reaktionen des Publikums angeht, das ist etwas Zweischneidiges. Wenn man versucht, sich da Lob zu holen, kriegt man letzten Endes auch das Negative und das Bashing mit und das ist heftig und deprimierend. Für mich habe ich entschieden, dass ich das mache, was mir gefällt. Wenn es da draußen jemanden gibt der meinen Geschmack teilt, dann ist das der Hammer, wenn nicht, ist es mir egal. Ich schlage mich als Indifilmer eh schon mit so vielen Problemen herum, da muss ich mich nicht auch noch mit den Sorgen anderer beschäftigen.

Inzwischen hast du ja mit „Praetoria-Productions“ deine eigene Firma gegründet. Wie wichtig war dieser Schritt für Dich im Bezug auf die Verwirklichung deiner eigenen Ideen?
Die Firma hat die Aufgabe, Ressourcen zu binden und zusammen zu führen, um letzten Endes mit einer Stimme zu Sprechen. Filmemachen ist Teamarbeit, ohne geht es nicht. Egoisten haben es hier noch nie weit gebracht, zumindest nicht in den Bereichen hinter der Kamera. Eine Firma hilft dabei, dass sich jeder zugehörig fühlt und das wiederum führt zu enorm guten Ergebnissen. Naja und außerdem hat Filmemachen am Ende auch mit dem zahlen von Steuern, Sozialversicherungen, usw. zu tun... auch dafür braucht man eine Firma.

Kommen wir zu deinem neuen Werk DARWINS LAW. Der Film ist eine actionreiche wie auch ziemlich verrückte Mixtur aus HARD TARGET, THE RUNNING MAN und THE DEVIL´S REJECTS von Rob Zombie. Welche Filme gingen Dir und Christopher Lee Meadows – welcher auch die Hauptrolle in dem Film übernahm – während des Drehbuchschreibens durch den Kopf?
Ich finde es unglaublich, dass du als erstes HARD TARGET erwähnst, denn genau der war es, der uns als erster Film durch den Kopf ging. Einer der besten Filme von Van Damme. Aber auch Filme wie RUNNING MAN, BATTLE ROYAL und DEATH RACE hatten gedanklichen Einfluss auf uns. Aber wie so üblich bei Independent Produktionen, muss man leider sehr schnell den Rotstift ansetzen und Dinge die Geld kosten wurden gestrichen. Eine TV-Show mit Showmaster wurde zu einem Online Spiel mit Supervisor und eine Kampfarena mit Wüsten, Wasser und Häuserschluchten wurden zu einem Wald. Aber das klingt jetzt zu pessimistisch, denn das ist ein natürlicher Prozess und wir haben das was wir wollten letzten Endes auch umgesetzt und sind mehr als zufrieden damit.

Der Film spielt zu 80% in der Natur. Dein Hauptdarsteller kämpft sich durch Gebirgsketten, Wälder und reißenden Flüssen. Eine besondere Herausforderung für Mensch und Equipment?
Nein, wir haben durch BREAK und BUNKER OF THE DEAD genug Erfahrungen gesammelt und unser Equipment ist inzwischen genau darauf ausgelegt. Wir haben nichts am Set das schnell oder leicht kaputt geht. Das Wetter wechselt hier bei uns in den Bergen stündlich und darauf musst du vorbereitet sein. Außerdem können wir uns keine Verzögerungen leisten und Nachdrehs sind in weiter Ferne und ein Wunschtraum.  Wichtig ist hier, dass wir uns nicht übernehmen und planen bewusst alles so gut es geht vor. In der Ursprungsfassung von DARWINS LAW, als wir uns von der Kampfarena verabschiedet haben, dachten wir daran es im tiefsten Winter spielen zu lassen, da wir nicht BREAK 2.0 drehen wollten. Die Idee haben wir dann aber gleich wieder in die Tonne getreten. So schön rotes Blut auf weißem Schnee Cineastisch auch ist, wir hätten weder uns noch den Darstellern einen Gefallen getan. Ich bin dann ein ganzes Wochenende lang mit meinem Auto durch die Berge gefahren und habe die besten Locations herausgesucht, um zu drehen und das optisch Beste rauszuholen.

Was waren die größten Schwierigkeiten während des Drehs?
Der Ton. Hölle noch mal, der Ton! Die Lärmverschmutzung ist auch bei uns hier im Süden extrem hoch. Autos, Motorsegler, Wanderer, Kettensägen oder Kuhglocken, egal was ein Geräusch macht, es ist immer genau dann da wenn du „Action“ schreist. Wie wenn sie darauf warten würden. Schrecklich!

Meadows alias Agent Scott Taylor scheint der neue Stern am Independent Actionhimmel zu sein. Nachdem er bereits bei BUNKER OF THEE DEAD dabei war, ist er hier nun als Held zu sehen. Warum fiel die Wahl auf ihn?
Ich habe Chris während des Castings zu BUNKER OF THE DEAD kennengelernt und bei den anschließenden Dreharbeiten haben wir bemerkt, irgendwie brummen unsere Gehirnströme auf der gleichen Frequenz. Das Resultat war dann das Buch zu DARWINS LAW. Was natürlich nicht vergessen werden darf, ich mag als Filmemacher gute Charaktere. Ich hasse diese weichgespülten Hollywoodgesichter. Ich mag sie nicht, weder bei Frauen noch bei den Männern. Menschen müssen tiefe haben und realistisch wirken, dann kann ich mich mit ihnen identifizieren und mit ihnen mitfühlen. Chris Meadows verkörpert genau das und kann zu allem Überfluss auch noch fantastisch Schauspielern. Wie geil ist das denn?

Es gibt so einige komplett durchgeknallte Gegner, mit denen es Scott aufnehmen muss. Welcher davon ist dein Lieblings-Charakter?
Du frägst einen Vater welches Kind er am liebsten hat? Hast echt Nerven! Ich finde jeder Gladiator hat sein gewisses Etwas und hätten Zeit und Geld gereicht, wären noch ein paar heftigere Freaks dazu gekommen. Aber zu deiner Frage, an wem ich mich nie sattsehen kann, ist „BIBI“ The Clown. Ich persönlich hasse Clowns und Pudel, mein größter Alptraum ist es also irgendwann mal in einer dunklen Gasse einem Clowns-Pudel zu begegnen. Naja und dem musste ich etwas entgegensetzen. Mit unserem Clown habe ich mir eine Psycho-Therapie gespart und hatte dabei auch noch jede Menge Spaß.

Neben dem hohen Tempo und all der Action, geht es in DARWINS LAW auch recht blutig zur Sache. Wie wichtig war dir der Splatter-Gehalt des Streifens?
Naja, das Filmemachen soll ja Spaß machen oder? Splatter-Effekte finde ich einfach klasse und es macht unglaublichen Spaß sie vorzubereiten, abzudrehen und anzusehen. Und im Gegensatz zu Gore-Effekten sprechen diese Art der Effekte ein breiteres Publikum an. Ich habe noch nie verstanden, was so filmerisch reizvoll daran ist, sich minutenlang durch menschliche Gedärme zu wühlen. Aber sie in Sekundenbruchteilen vom Inneren des Körpers nach außen zu befördern, das ist Klasse.

Beeindruckend ist außerdem der coole Score. Lag Dir dieser besonders am Herzen?
DARWINS LAW ist der dritte Film den ich zusammen mit dem Komponisten und Musiker Chris Weller machen durfte und ja, der Score liegt mir besonders am Herzen. Ton und Musik machen meiner Meinung nach 70% eines Film-Erlebnisses aus. Jeder Zuschauer verzeiht ein schlechteres Bild, eine Wackelkamera oder mies ausgeleuchtete Szenen, wenn der Ton und die Musik alles zusammenhalten. Niemand verzeiht schlechten Ton oder schlechte Musik, egal mit welcher Kamera gefilmt wurde. Somit ist es für mich eine Gnade und ein Privileg, das wir Chris Weller und seine musikalische Vielfalt mit an Bord haben.

DARWINS LAW soll hierzulande als Video on Demand (VOD) ausgewertet werden. Ihr habt aber eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen, um den Film auch in die heimischen DVD-Player zu befördern. Was hat es damit genau auf sich?
Boah, was für ein Reinfall! Wo fange ich an? Wir haben all unser Geld in den Film gesteckt und uns reicht schlichtweg das Geld nicht, um den Film auf Hardcopy zu veröffentlichen. Also dachten wir, in Zeiten von VOD sollten wir uns das Leben nicht schwerer machen als es eh schon ist und planten diesen Weg. Dann kamen dutzende E-Mails mit der Bitte, doch eine Hardcopy zu veröffentlichen. Wir dachten uns, hey, Hammer, wenn die Leute das wollen, dann machen wir das! Lasst uns ein Crowdfunding machen und ohne unfair Geld zu Sammeln für einen Film den es noch gar nicht gibt - wie das andere Fundings das so machen - verkaufen wir die CD´s und Blu-Ray´s einfach sozusagen im Vorverkauf. Es hat sich dann herausgestellt, dass das Interesse in dem Moment wohl auf -NULL- sinkt. Ich glaube, wir haben 6 Vorbestellungen erhalten... ein Witz, denn allein die vorherigen Anfragen hätten die Zahl auf Minimum 80 Stück bringen müssen. Letzten Endes haben wir das jetzt wie begossene Clowns-Pudel begraben und gehen erst mal wie geplant den VOD weg. Ich denke jedoch, dass wir - wie wir das zu BREAK gemacht haben - etwas später eine kleine, feine Mediabox folgen lassen können.

Ihr habt den Film in englischer Sprache gedreht und arbeitet zu Zeit an der deutschen Synchro. War das eine strategische Entscheidung?
Sowohl BREAK wie auch BUNKER OF THE DEAD wurden von uns in englischer Sprache gedreht. Es macht es um vieles einfacher. Die Anfertigung der aktuellen deutschen Synchro hingegen war strategisch. Wir haben in den letzten Jahren bei „Praetoria-Productions“ alles In-House gelöst, bis auf den Ton. Das ist jetzt das letzte Stück das fehlte und mit dem Bau eines Tonstudios haben wir uns sozusagen abgenabelt. Wir sind jetzt ein Atomgetriebenes Independent U-Boot...wir tauchen nur noch auf, wenn wir das wollen.

Gibt es schon neue Projekte zu verkünden? Womöglich eine Fortsetzung?
Für eine Fortsetzung von DARWINS LAW ist es zu früh. Ich habe jetzt nach den 2 Jahren Arbeit daran Lust auf etwas Neues bekommen und wir sind aktuell in der Vorbereitung zu einem Filmprojekt, welches wir zusammen mit Mike Möller und seinem Team umsetzen wollen. Wenn das alles klappt, fliegen zu den üblichen Köpfen auch noch die Fäuste. 

Vielen Dank für das Gespräch.


Hier noch ein älteres BGT-Interview mit Matthias Olof Eich


Unholy Ground

Regie: Günther Brandl
Inhalt: Eine Gruppe Soldaten kommt während des schwedisch-russischen Krieges in ein abgelegenes Dorf. Dessen Bewohner scheinen zwar seltsam und fanatisch religiös zu sein, zeigen aber unerwartete Gastfreundschaft. Bald aber wird ihr Verhalten immer seltsamer. Was steckt dahinter?
Kritik: Die Brandls machen seit 20 Jahren No Budget Filme. In der Zeit haben sie sich eine treue Fangemeinde erarbeitet, welche jeden neuen Film der Geschwister entgegenfiebert. Das funktioniert bei Neulingen allerdings nur, wenn man eine gewisse Affinität für derartige Produktionen aufbringen kann. Diese vorausgesetzt, wird man mit vielen Brandl-Filmen sicher seinen Spaß haben. Alle anderen werden sich fragen, was zur Hölle sie gerade in ihren geliebten Player geschmissen haben. Die Brandls decken mit ihren Filmen eine besondere Nische ab, aus der sie auch gar nicht ausbrechen möchten. Das muss aber nicht zwingend bedeuten, dass kein Steigerungspotenzial vorhanden ist. Im Gegenteil: Aktuelle Produktionen wie OMNIA oder DEEP IN MY MIND können sich im Rahmen der Möglichkeiten durchaus sehen lassen und setzen nicht gezielt auf den Trash-Faktor, der anderen Brandl-Werken wie MOORMONSTER gewollt anheftet. Sie stecken jede Menge Herzblut, Zeit und Improvisationstalent in ihre Werke, was eine gewisse Qualität ihrer Produktionen garantiert. Mit UNHOLY GROUND widmen sich die Brandls nun dem okkulten Horror. Die meisten Szenen spielen sich in einem kleinen Dorf ab, welches – aufgrund des Krieges – überwiegend von jungen Dirnen und alten Leuten bewohnt wird. Das bleibt auch dem Teufel nicht verborgen und nimmt das ganze Dorf in geistigen Besitz. So geschieht es, dass die Bewohner dem eigenen Willen nicht mehr Herr werden. Das Resultat: Blut, Gewalt, Sex, Orgien. Hier muss man den Machern wieder einmal Respekt zollen. Klar, das Setting ist begrenzt, die Darsteller agieren wie gewohnt laienhaft und die Geschichte erfindet das Rad auch nicht neu. Doch es herrscht eine skurrile Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann. Zudem muss man attestieren, dass dies wohl der blutigste Film von „Brandl Pictures“ ist, denn es geht ziemlich splattrig zu. Die Effekte sind im Anbetracht der limitierten Mittel wirklich sehenswert. Hinzu kommt, dass es so viele – teils obszöne – Nackt und Sexszenen gibt, dass es das Wort „Fleischbeschau“ wohl noch am besten trifft.
UNHOLY GROUND ist nicht nur Brandl-Allesguckern zu empfehlen. Der Streifen beinhaltet Titten, Blut, rollende Köpfe und eine nicht wegzudiskutierende Atmosphäre. Was will man mehr?

Wertung:
6|10

Hier ein BGT-Special zu BRANDL-PICTURES


 SKIN CREEPERS

Regie: Ezra Tsegaye
Inhalt: Die Brüder Ben (Nicolas Szent) und Daniel (Nicolás Artajo) wollen unbedingt Filme produzieren, doch bislang hatten sie dabei wenig Erfolg. Doch die beiden geben nicht auf und stecken ihr letztes Geld sowie eine vom Gangsterboss Lederkalle (Thomas Schmuckert) geliehene Summe in einen erotischen Film, für den sie den US-Pornostar Sasha Blue (Barbara Prakopenka) gewinnen können. Allerdings fand in dem Hotelzimmer, in dem die Pornodarstellerin untergebracht ist, einst ein schiefgelaufener Exorzismus statt und ein Dämon wartet nur darauf, ein unwissendes Opfer zu befallen. So kommt es bei den Dreharbeiten zu einem blutigen Zwischenfall und Ben und Daniel haben keine andere Wahl, als Sasha ans Bett zu fesseln und einen zwielichtigen Prediger (Dieter Landuris) um Hilfe zu bitten. Die verzweifelte Teufelsaustreibung endet im Chaos.
Kritik: Filmemacher Ezra Tsegaye hat mit seiner Firma „Botchco Films“ – die er gemeinsam mit Produzent Sebastian Wolf leitet – schon den einen oder anderen Kurz –und Animationsfilm inszeniert, die recht positiv von Presse und Publikum aufgenommen wurden und etliche Preise einheimsten. Bereits 2008 konnte die Independent-Filmschmiede mit NIGHT TALE 3D (2008) auch im Bereich der 3D Filmtechnik ein Aufrufungszeichen hinterlassen. CASTING DES TODES (2015) war ein weiterer Titel, der für Schlagzeilen sorgte. Keine Geringere als Nacktmodel Micaela Schäfer spielte in dem innovativen und erotischen Horror-Kurzfilm die Hauptrolle und ließ darin selbstverständlich die Hüllen fallen. Die Trash-Ikone ist auch in Tsegaye´s aktuellem Horror-Streifen SKIN CREEPERS in einem kleinen Cameo-Auftritt zu sehen. Der in Eritrea geborene deutsche Regisseur widmet sein Langfilm-Regiedebüt dem okkulten Horror, ohne dabei gänzlich auf Humor zu verzichten. Die Geschichte ist von einer wahren Begebenheit inspiriert, die sich in Frankfurt/Main abgespielt hat: Dort hat eine koreanische Familie in einem Hotel eine Teufelsaustreibung an einer jungen Frau vorgenommen, die dabei ums Leben kam. SKIN CREEPERS wurde ohne jegliche Fördergelder mit einem kleinen Budget von rund 50.000 Euro produziert. Das Ergebnis kann sich nicht nur in Anbetracht dessen sehen lassen, denn handwerklich gibt es an Tsegaye´s Erstlingswerk nichts auszusetzen. Die überschaubaren Locations werden optimal genutzt und auch die Computer-Effekte können überwiegend überzeugen. Insbesondere der Exorzismus Sasha´s – welcher sich in einem Hotelzimmer abspielt – wird stimmungsvoll eingefangen und erinnert nicht selten an DER EXORZIST (1973). Da wird dann schon mal die Splatter-Keule herausgeholt und ein halb nackter, über dem Bett schwebender Körper, darf natürlich auch nicht fehlen. Der ein oder andere Effekt kommt dabei etwas künstlich daher, doch das schadet dem spannenden und vor allem schwarzhumorigen Szenario nur sekundär. In allen Szenen außerhalb des Hotelzimmers geht es dagegen schon etwas gediegener zu. So hat die Geschichte etwas Ladehemmungen und kommt nur schwer in Fahrt. Dieses Manko bügeln zum einen der humoristische Ansatz und zum anderen die Protagonisten wieder aus. Überhaupt ist der Cast für ein Low-Budget Film wirklich gut. So machen Nicolas Szent und Nicolás Artajo als vom Pech verfolgte Brüder eine gute Figur, ebenso Barbara Prakopenka, die das Umschaltspiel  der kessen und sexy Pornodarstellerin zur vom Dämon besessenen Furie spielend beherrscht. Fans von deutschen Independent-Horrorfilmen werden sich zudem am kleinen, aber feinen Auftritt von Annika Strauss erfreuen. Die Scream Queen  hat eine äußerst „denkwürdige“ Liebesszene mit Barbara Prakopenka. Highlight des Films ist Dieter Landuris, dem seine Rolle als durchgeknallter Prediger sichtlich Spaß gemacht zu haben scheint.
SKIN CREEPERS ist ein mit Filmzitaten gespickter Exorzismus-Streifen der etwas anderen Art. Witzig, blutig, sexy und verdammt schräg. Der Mut, das von deutschen Förderanstalten so vernachlässigte Genre-Kino anzupacken und trotz geringer Mittel qualitativ anständig umzusetzen, verdient großen Respekt.

Wertung:
6|10

BGT-Interview mit Ezra Tsegaye


Paranormal Demons

Regie: David Brückner
Inhalt: Eine internationale Gruppe aus Filmstudenten findet im Dark Web einen verstörenden Filmclip voller Poltergeist-Phänomene. Für die jungen Leute genau die richtige Location, die sie für ihr neues Dokumentarfilm-Projekt benötigen, weshalb sie zum abgelegenen Krankenhaus aus dem Videoclip reisen. Dort angekommen, installieren sie Überwachungskameras und untersuchen die Geisteraktivitäten. Womit sie nicht rechnen: Eine reale Gefahr - weit ab von Geistern - treibt sich in den alten Gemäuern herum und dürstet nach Blut. Es gibt kein Entkommen!
Kritik: Filmemacher David Brückner ist dem Horror-Genre sehr verbunden, was er bereits bei etlichen Kurzfilm und zwei Langfilm-Produktionen (DEAD SURVIVORS, IRON WOLF) unter Beweis gestellt hat. Dieses Mal hat er sich dem Found-Footage Horror zugewandt, welcher aber auch Slasher-Elemente beinhaltet. In dem durch Crowdfunding finanzierten Film steckt eine Menge Potenzial, was letzten Endes nicht gänzlich ausgeschöpft wird. Doch Brückner holt bekanntlich viel aus seinen limitieren Mitteln heraus. So überzeugt PARANORMAL DEMONS insbesondere in den letzten 20 Minuten. Da erzeugt der Streifen eine gruselige und vor allem spannende Atmosphäre. Man hört ständig Stimmen und Kinderschreie und bekommt einen Schlitzer (gespielt von Moloch) serviert, der seine Opfer mit einer Henkersaxt auflauert und blutig zur Stecke bringt. Oftmals ist es bei Found-Footage Produktionen so, dass das Bild ständig hin und her wackelt  und man schlicht und ergreifend nichts sieht, weil es zu dunkel ist. Hier ist es anders, denn die Wackelei hält sich in Grenzen und  den Verfolger kann man immer wieder gut erkennen, trotz Dunkelheit. Zudem ist die Story interessant, die Location großartig und die Darsteller performen überraschend gut – Kristina Kostiv sei da mal als Beispiel genannt. Der große Negativ-Faktor des Films ist die Lauflänge. Quälende 96 Minuten! Das ist für einen derartigen Film definitiv zu lang, zumal sich der Anfang wie Kaugummi zieht. Da hätte man gut und gerne 15 Minuten kürzen können, ohne dass dabei etwas von der Geschichte verloren gegangen wäre. So aber ist die Gefahr recht groß, dass es viele Zuschauer erst gar nicht bis zum wirklich guten Finale aushalten und vorher abschalten oder bestenfalls vorspulen. Schade. Technisch gibt es an PARANORMAL DEMONS allerdings nichts zu kritisieren.

Wertung:
5|10

BGT-Audiointerview mit David Brückner


Montrak

Regie: Stefan Schwenk
Inhalt: Im finsteren Mittelalter wird Deutschland von Vampiren heimgesucht. Graf Montrak (Sönke Möhring), der seit dem Tod seiner Geliebten (Cosma Shiva Hagen) dem Bösen verfallen ist, wurde von Luzifer höchstpersönlich in einen Blutsauger verwandelt. Mit seinen Schergen treibt er im Schatten sein Unwesen, bis ihm eines Tages die Menschen auf die Schliche kommen. In der Hoffnung, Vampire wieder zum Mythos zu machen, lässt sich Montrak von diesen töten. Doch seine Untertanen folgen nun einem neuen Anführer, den der Graf vor seinem Ableben bestimmt hat. In der Gegenwart bricht erneut die Zeit der Vampire an. Nur eine kleine Gruppe von Helden stellt sich ihnen in den Weg.
Kritik: Stefan Schwenk ist ein sehr respektables Regiedebüt gelungen. In fünf Kapiteln präsentiert er sehr detailliert seine eigens geschriebene Vampir-Geschichte. Wie bereits in HIGHLANDER, springt die Story zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Doch nicht nur in diesen kreativen Momenten erkennt man, dass der Regisseur von etlichen Filmperlen inspiriert wurde. „Ich würde generell sagen, dass MONTRAK eine Hommage an den fantastischen Film der 80er Jahre ist. Es ist richtig, dass viele Einflüsse aus THE LOST BOYS, HIGHLANDER, THE TERMINATOR und NEAR DARK erkennbar sind. Den Charakter dieser Filme aufzugreifen, war sehr schön.“ (Stefan Schwenk) Jene Szenen, welche im Mittelalter spielen, gehören zu den Highlights des Films, denn diese wurden sehr aufwendig und stellenweise recht blutig umgesetzt. Doch auch in der Gegenwart bietet MONTRAK sehr interessante Ansätze, die das Potenzial aber nicht gänzlich ausschöpfen, was überwiegend dem geringen Budget geschuldet ist. Zudem ist der Film an einigen Stellen zu lang geraten. In Sachen Action lässt es der Streifen aber insbesondere im Finale richtig krachen und auch die THE LOST BOYS Passagen – wenn die Vampirmeute beispielsweise geschlossen auf der Straße wütet -  machen richtig Spaß. Ein großes Kompliment muss man den Machern bei der Besetzung machen: Bekannte deutsche Namen wie Sönke Möhring, Cosma Shiva Hagen, Michaela Schaffrath, Julia Dietze, Udo Schenk und viele mehr geben sich die Klinke in die Hand. Hervorzuheben sind hierbei die coolen Auftritte von Charles Rettinghaus, Nikolai Will und Dustin Semmelrogge, der als Actionheld eine überraschend gute Performance abliefert. Der deutsche Vampirfilm ist nicht tot. Produktionen wie WIR SIND DIE NACHT und auch MONTRAK belegen dies eindrucksvoll. Zahlen wir es doch den Machern – die dieses Genre unter widrigen Umständen wiederbeleben -  mit Wertschätzung zurück.

Wertung:
7,5|10

BGT-Interview mit Stefan Schwenk


Alice – The Darkest Hour

Regie: Michael Effenberger
Inhalt: Mysteriöse Morde an Frauen beherrschen die Schlagzeilen in ganz Europa. Die Opfer verbindet etwas äußerst Ungewöhnliches: Sie hören allesamt auf den Namen Alice und sind Vollwaisen. Dem Geheimnis der Mordserie geht der Privatermittler John Tusk (Peter Bosch) auf den Grund. Seine Spur führt ihn dabei zur Studentin Alice (Carolina Hoffmann), die nach dem tragischen Unfalltod ihrer Eltern bei ihrem Opa (Helmut Krauss) lebt. Die junge Frau fristet ihr Dasein als Außenseiterin und zieht sich aufgrund dessen auch immer weiter zurück – in ihre eigene bizarre Traumwelt. Doch dann erhält sie eine Einladung zu einer Party ihrer Kommilitonen. Dort steht Alice überraschend und unerwartet im Mittelpunkt des Interesses, als ihre schrecklichen Träume plötzlich nicht mehr nur in ihrer Fantasie vorhanden sind, sondern sich einen Weg in die reale Welt bahnen.
Kurz Kritik: Michael Effenberger zieht es nach Zombies (SURVIVAL) und Found-Footage Horror (SEEKERS) jetzt ins Mystery-Thriller-Fach. Gemeinsam mit Thomas Pill hat er die gleichermaßen liebenswerte wie auch in sich zurückgezogene Alice erschaffen, welche sich gegen eine geisteskranke Sekte – angeführt von Claude Oliver Rudolph und Anouschka Renzi – zur Wehr setzen muss. Alice – hervorragend gespielt von Newcomerin Carolina Hoffmann – trifft dabei auf skurrile Figuren, die ihr entweder schaden oder – im Falle von Peter Bosch – sie aus dunklen Fängen befreien wollen. ALICE – THE DARKEST HOUR bietet eine interessante und recht spannende Story, die zudem kleine Überraschungen parat hat. Die Welt in der sich das junge Mädchen befindet, wird sehr düster und teils krank dargestellt. Die Splatter-Effekte sind überwiegend gut gelungen und auch die Locations können sich sehen lassen. Die Macher haben aus dem sichtbar schmalen Budget das Beste herausgeholt und einen kurzweiligen und atmosphärisch stimmigen Film auf die Beine gestellt, zu dessen Besetzungsliste auch namhafte deutsche Schauspieler wie Sven Martinek und Helmut Krauss zählen.

Wertung:
6,5|10


BGT-Interview mit Michael Effenberger

Autor

Kevin Zindler

Kevin Zindler

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